Pokemon Schwert und Schild NSW

Pokemon Schwert und Schild: Review

Nach der großen Kontroverse, die im Vorfeld in der Pokemon-Fangemeinde herrschte, sind nun die umstrittenen ersten Pokemon-Hauptspiele für die Nintendo Switch erschienen und haben einen beeindruckenden Verkaufsstart hingelegt. Wir sind für euch ein weiteres Mal als Trainer auf große Reise gegangen und haben die Titel auf Herz und Nieren geprüft.

Eine neue Region erwartet euch

Dieses Mal verschlägt es euch in die Galar-Region, die vom Design her Groß-Britannien nachempfunden ist. Begrüßt werdet ihr zum ersten Mal nicht vom örtlichen Pokemon-Professor, sondern durch Liga-Präsident Rose, der euch in einer gigantischen Arena eine kurze Einführung zu den namensgebenden Taschenmonstern gibt. Schon in dieser allerersten Cut-Scene fallen einige Dinge negativ auf. Zum einen die Grafik, die sich leider im Vergleich zu den letzten Titeln Ultra-Sonne und Ultra-Mond auf dem 3DS nicht sonderlich verbessert hat. Zum anderen, dass die Spiele immer noch nicht vertont sind. Das nimmt der Szene viel von ihrem Glanz und hätte den neuen Titeln insgesamt gutgetan. So ist der Schritt der Pokemon-Hauptreihe von Handheld auf Konsole nicht so groß, wie viele Fan es sich gewünscht haben.

Nach dieser Begrüßung trefft ihr euren „Rivalen“ Hop und den aktuellen Champ Delion und dürft euch kurz darauf euer erstes eigenes Pokemon aus den drei neuen Startern Hopplo, Memmeon und Chimpep aussuchen. Das euch mit seinem Typ unterlegene Taschenmonster wird Hop begleiten und ihr dürft euch in einem ersten Gefecht auch gleich dagegen beweisen. Langjährige Pokemonspieler werden hier positiv überrascht. Weder wird uns hier eine Erklärung zu den verschiedenen Typen und ihren Stärken und Schwächen aufgezwungen, noch müssen wir uns ein Tutorial zum Fangen von Pokemon ansehen. Abgesehen davon ist das Spiel aber so linear wie seine Vorgänger und wie in den letzten Ablegern üblich, werden wir schwer gegängelt. Grade zu Beginn ist es kaum möglich, ein paar Schritte zu laufen, bevor ihr wieder in ein Gespräch verwickelt oder zu einem freundschaftlichen Kampf aufgefordert werdet. Hier gibt es also keine Verbesserung. Aber trotz aller Kritik wissen die neuen Abenteuer zu gefallen und bieten eine Menge Spielspaß.

Wie bereits bei den Let’s Go-Titeln erwarten euch statt ausgestorbener Routen wilde Pokemon, die sichtbar durch das hohe Gras streifen und auch auf euch reagieren, wenn sie euch sehen. Die gewöhnten Zufallsbegegnungen gibt es ebenfalls noch, nun kündigen sie sich aber durch ein Ausrufezeichen im Gras an und ihr könnt entscheiden, ob ihr mit dem Taschenmonster kämpfen wollt oder nicht. Wenn ihr euch jetzt fragt, wozu ihr überhaupt noch Zufallsbegegnungen braucht: sie bieten euch eine größere Auswahl an Pokemon als die, die sichtbar herumlaufen. Es lohnt sich also durchaus, auch mal einen der Zufallskämpfe mitzunehmen, wenn ihr euren Pokedex vervollständigen wollt. Apropos Pokedex: Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr wirklich alle Taschenmonster fangen konntet. Für Schwert und Schild hat Gamefreak lediglich einen Teil der bekannten Pokemon der vergangenen Generationen übernommen. Dabei sind sie in der Fangemeinde auf großen Widerstand gestoßen, zumal einige Entscheidungen nur schwer nachvollziehbar sind. So kommen Glumanda-Fans auf ihre Kosten, während Liebhaber der nicht weniger gefeierten ersten Starter Schiggi und Bisasam in die Röhre gucken. Seid also gewarnt, wenn ihr aus Prinzip in jeden Hauptspiel immer mit dem gleichen Team auf die Reise geht: Viele eurer Favoriten haben es potenziell nicht in die neuen Generationen geschafft. Wenigstens sind die neuen Taschenmonster dieser Generation überwiegend gut gelungen.

Pokemon Schwert und Schild Screenshot


Die verschiedenen Orte der Galar-Regionen, die ihr bei eurer Reise besucht, sind schön gestaltet und laden zum Erkunden ein. Allerdings macht die Grafik der Switch Schande. Matschige Texturen soweit das Auge reicht, Treppchenbildung, das volle Programm. Da wäre mehr drin gewesen, von anderen Spielen sind wir deutlich besseres gewohnt. Die Musik, ein Mix aus neuen und alten, aber neu vertonten Stücken, untermalt recht passend das Geschehen. Passend zum Groß-Britannien-Thema von Schwert und Schild ist die neue „böse“ Organisation namens Team Yell den britischen Fußball-Hooligans nachempfunden. Sie unterstützen den Arena-Challenger ihrer Heimatstadt und versuchen, allen anderen und damit auch euch Steine in den Weg zu legen. Eine wirklich bedrohliche Stimmung kommt dabei aber nie auf. Immerhin bekommt Team Yell mit Fortschreiten der Handlung noch etwas mehr Tiefe, wodurch sie einen Fortschritt zu Team Skull aus Sonne und Mond darstellen, und bieten sogar noch einen netten Twist im Laufe der Geschichte.

Die Geschichte, die in Schwert und Schild erzählt wird, ist ziemlich vorhersehbar und wenig spannend oder mitreißend, tut aber ihren Zweck. Trotzdem wäre hier deutlich mehr drin gewesen. Es ist schade, dass die Erzählung, die eigentlich Potential geboten hätte, mehr oder weniger belanglos vor sich hindümpelt und an einigen Stellen sogar einfach völlig in Vergessenheit gerät. Wir empfinden das als deutlichen Rückschritt im Vergleich zu den gut gelungenen Handlungssträngen der vergangenen Ableger.

Groß, großer, Dynamax

Die in jedem Pokemon-Hauptspiel der letzten Jahre gibt es auch hier wieder einen neuen Kniff, der den rundenbasierten Kämpfen mehr Tiefe und Spannung verleihen soll. Bei Pokemon Schwert und Schild hört er auf den Namen Dynamaximierung und ersetzt die seit X und Y bekannten Mega-Entwicklungen und die Z-Attacken aus Sonne und Mond. Die Dynamaximierung gibt es nur in der Galar-Region und nutzt neben den dort vorkommenden Galar-Partikeln Wunsch-Steine, die man als Trainer an einem Armband trägt. Setzt ihr diese neue Fähigkeit im Kampf ein, wird euer Pokemon plötzlich riesengroß, hat bessere Werte, höhere KP und setzt mächtige Attacken ein, die dem Typ der eigentlich bekannten Attacken entsprechen. Dieser Zustand hält für drei Runden an, in denen ihr euren Gegnern ordentlich einheizen könnt. Aber Vorsicht, auch andere Trainer können das neue Feature nutzen und werden euch ordentlich Schwierigkeiten machen, wenn sie euch unvorbereitet treffen.

Pokemon Schwert und Schild Screenshot


Das neue System bietet wesentlich mehr Flexibilität als die vorherigen Z-Attacken, denn ihr seid nicht länger auf einen speziellen Attacken-Typ beschränkt. So habt ihr die Möglichkeit, alle Typen-Stärken eures aktiven Pokemon voll auszuspielen. Außerdem ist es nicht länger nötig, dass euer Taschenmonster ein spezielles Item hält, hier könnt ihr also wieder frei aus der Vielzahl an tragbaren Items wählen.

Wem die Dynamaximierung nicht spektakulär genug ist, für den gibt es zusätzlich die Giga-Dynamaximierung, bei der das Pokemon zusätzlich sein Aussehen verändert. Während alle Pokemon zur Dynamaximierung in der Lage sind, müsst ihr für die Giga-Dynamaximierung aber spezielle Pokemon haben. Diese könnt ihr durch Events bekommen oder bei Dyna-Raids in der Naturzone fangen. Außerdem können sich Besitzer der Let’s go-Titel über ein spezielles Pikachu bzw. Evoli mit dieser Fähigkeit freuen.

Wie oben beschrieben, müssen für die Dynamaximierung ausreichend Galar-Partikel in der Umgebung vorhanden sein. Das ist nur an wenigen Orten in der Region der Fall, konkret vor allem in den Arenen. In Pokemon Schwert und Schild müsst ihr euch im Rahmen der Arena-Challenge in acht Arenen beweisen, bevor ihr euch am Ende des finalen Turniers mit dem Champ anlegen dürft. Die Challenge ist den Entwicklern wirklich gut gelungen. Ihr beginnt als unbekannte Arena-Challenger eure Reise, bekommt aber mit jedem Sieg eine größere Fanbase und werdet auch immer häufiger von Passanten auf den Straßen erkannt. Diese Entwicklung vom Nobody zur bekannten Persönlichkeit wird gut dargestellt. Auch die Arena-Herausforderungen an sich sind klasse inszeniert. Wie gewohnt müsst ihr im Vorfeld ein paar leichte Rätsel lösen und euch mit den Trainern vor Ort herumschlagen. Dann geht es in die eigentliche Arena zum großen Kampf gegen den Arena-Leiter und diese Kämpfe sind toll gemacht. Es sind Tausende jubelnder Zuschauer in den Rängen zu sehen, die die Kämpfer anfeuern. Grade während der Endphase, wenn die Pokemon sich nach der Dynamaximierung in gigantischer Größe gegenseitig Saures geben, verbreiten sie ordentlich Stimmung. Das macht die Kämpfe deutlich intensiver und spannender als in den Vorgängern. Der einzige Dämpfer ist die Vorhersehbarkeit der Arena-Leiter, die die Kämpfe trotz allem recht einfach macht.

Open World-Gefühl in der Naturzone?

Die zweite große Neuerung in Schwert und Schild ist die Naturzone, ein großer, offener Bereich, in dem ihr euch und erstmals auch die Kamera frei bewegen könnt und in der Pokemon herumstreifen, die euch mit ihrem Level zu Beginn haushoch überlegen sind. Zur Naturzone bekommt ihr schon früh im Spiel zum ersten Mal Zugang. Hier könnt ihr nach Herzenslust wilde Pokemon fangen, Beeren ernten und herumliegende Items aufsammeln. Grade zu Beginn solltet ihr euch aber vor den Taschenmonstern in Acht nehmen, die ein besonders hohes Level haben. Erfahrene Spieler erkennen diese sofort daran, dass es sich um Weiterentwicklungen handelt. Wenn ihr unvorbereitet einen solchen Pokemon in die Arme lauft, kann es schnell kurzen Prozess mit eurem gesamten Team machen. Achtet also darauf, genügend Pokepuppen dabeizuhaben. Je mehr Orden ihr euch erkämpft, desto besser könnt ihr die Naturzone erkunden und desto mehr Pokemon könnt ihr fangen, denn das erlaubte Fanglevel steigt mit jedem Orden. Auch das Fahrrad und seine Erweiterung, das Wasserfahrrad, ermöglichen euch noch tiefgehendere Erkundungen.

Ein weiteres neues Feature in der Naturzone, aber auch auf gewöhnlichen Routen ist das Poke-Camping. Dabei sitzt ihr vor eurem Zelt, während euer Team um euch herumläuft. Nun könnt ihr mit euren Pokemon spielen, indem ihr einen Pokewedel herumwedelt oder ihnen Bälle zuwerft. Das steigert die Bindung zu euren Pokemon. Außerdem könnt ihr ein leckeres Curry kochen, um eure Taschenmonster zu heilen und sie zutraulicher zu machen. Dazu gilt es, passende Beeren auszusuchen und ein simples Minispiel zu absolvieren. Es gibt eine ganze Menge verschiedener möglicher Currys, die in eurem Currydex verzeichnet werden, sobald ihr sie das erste Mal zubereitet habt. Das Poke-Camping ersetzt damit die Möglichkeit, euer Pokemon zu streicheln und mit Beeren oder Süßigkeiten zu füttern. Wir finden es zwar schade, dass die Streicheleinheiten wegfallen, trotzdem macht das Camping Spaß und bietet eine nette Abwechslung.

Pokemon Schwert und Schild Screenshot


Eine Besonderheit der Naturzone sind die überall verstreuten Pokemon-Nester. Aus diesen könnt ihr Watt erhalten, mit denen ihr wiederum spezielle Attacken und Bälle von verstreuten Verkäufern hier erwerben könnt. Kommt eine Lichtsäule aus einem Pokemonnest, erwartet euch darin ein Dyna-Raid. Diese Kämpfe lassen euch mit drei Freunden oder drei KI-Trainern gegen ein dynamaximiertes Pokemon antreten. Die Besonderheit: Ihr dürft nur ein einziges Pokemon verwenden, das ihr im Vorfeld auswählt, und nur einer der vier Trainer darf eine Dynamaximierung vornehmen. Hier ist taktisches Vorgehen gefragt, denn das gegnerische Pokemon bleibt den gesamten Kampf über dynamaximiert und baut außerdem in regelmäßigen Abständen einen schützenden Schild um sich herum auf, der es für eine Weile vor euren Attacken schützt. Habt ihr euren Gegner in die Knie gezwungen, bekommt ihre eine einzige Chance, das Taschenmonster zu fangen. Aber auch wenn das mal nicht gelingt, lohnt sich der Kampf, denn zur Belohnung erhaltet ihr EP-Bonbons und weitere Items, mit denen ihr euer Team verbessern könnt. Somit ist es in Schwert und Schild dank der Raid-Kämpfe deutlich leichter, ein schwaches Pokemon schnell auf das Level eures restlichen Teams zu heben.

Während es wirklich Spaß macht, mit dem Rad durch die Naturzone zu fahren und die Pokemon in der freien Wildbahn zu beobachten, fällt auf, wie leer sie trotz allem wirkt. Hier gibt es quasi keine anderen Trainer oder NSCs abgesehen von einigen Verkäufern. Außerdem ist es schade, dass die Naturzone weitgehend optional bleibt. Nur zwei Mal müsst ihr sie wirklich durchqueren, um andere Orte zu erreichen, alle anderen Städte sind durch die klassischen linearen Routen miteinander verbunden. Warum Gamefreak hier nicht den letzten Schritt gegangen ist und alle Städte in der Naturzone platziert hat, ist uns unverständlich. So fühlt es sich an wie ein halbgares Konzept, da auch nur halbherzig umgesetzt wurde. Open-World-Gefühl? Fehlanzeige. Auch, weil die Naturzone dafür letztlich einfach zu klein geraten ist, obwohl die Karte der Galar-Region eigentlich viel Platz geboten hätte, hätte man die Routen abgeschafft.

Die Online-Funktionen von Pokemon Schwert und Schild könnt ihr nur nutzen, wenn ihr eine kostenpflichtige Switch-Online-Mitgliedschaft habt. Dann könnt ihr über das Internet Pokemon tauschen und Kämpfe ausfechten. Die GTS gibt es übrigens nicht mehr, stattdessen könnt ihr lediglich per Zaubertausch Pokemon rein zufallsbasiert mit anderen tauschen.

Fazit von Wiebke Tischler (Switch)

Hat Gamefreak aus dem Wechsel vom Handheld auf die Konsole alles aus Schwert und Schild herausgeholt? Nein, sicher nicht. Machen die Spiele trotzdem eine Menge Spaß? Ja, das lässt sich einfach nicht abstreiten. Es mögen nicht die besten Spiele der Reihe sein, Totalausfälle sind sie aber auf keinen Fall. Wer sich keine große (R)Evolution der Reihe erwartet, sondern einfach ein solides Pokemon-Spiel, der wird bestens bedient. Alle anderen werden mit einem bitteren Nachgeschmack zurückgelassen, denn die Naturzone ist eher eine Enttäuschung als eine Offenbarung und auch ansonsten gibt es keine nennenswerten Neuerungen. Über den geschrumpften Pokedex mag man sich streiten, aber an anderen Stellen muss Gamefreak beim nächsten Ableger definitiv mal einen Schritt nach vorne wagen.

Pro
  • Schicke Region mit tollen neuen Pokemon
  • Pokemon laufen sichtbar herum
  • Großartige Stimmung in den Arenen
Contra
  • Naturzone nur halbgar und schlecht eingebunden
  • Sehr nervige Rivalen
  • Grafik wirkt wie die eines 3DS-Spiels
Gesamtwertung
  • Abwechslung Gut
  • Atmosphäre Befriedigend
  • Bedienung Gut
  • Langzeitmotivation Gut
  • Herausforderung Gut
  • Spieldauer Gut
  • Multiplayer Gut
  • Preis/Leistung Gut
8.0
  • News
  • Videos
  • Screenshots
Keine News gefunden.
Keine Videos gefunden.
Keine Screenshots gefunden.

Pokemon Schwert und Schild Facts

  • GenreAdventure und Rollenspiel: Rollenspiel
  • Release15. November 2019
  • EntwicklerNintendo
  • PublisherNintendo
  • USKFreigegeben ab 6 Jahren
  • PEGI7+
Mehr Informationen
Loading