Life is Strange 2 PS4

Life is Strange 2: Special

Nachdem das Entwicklerstudio Deck Nine Games mit Before the Storm im vergangenen Jahr die Vorgeschichte zum Adventure-Hit Life is Strange erzählte, übernimmt nun wieder DONTNOD Entertainment, um mit Life is Strange 2 eine vollkommen neue Geschichte zu beginnen. Was euch in den insgesamt fünf Episoden erwartet, erfahrt ihr sukzessive in unserem Special.

Episode 1: Roads

Unsere Story beginnt im Jahr 2016 kurz vor Halloween. Daher können wir in den Straßen von Seattle auch schon die Dekoration für das bevorstehende Fest entdecken, die die vorherrschende herbstliche Stimmung in der Stadt noch unterstreicht. Kurz darauf lernen wir Sean kennen, eine der beiden Hauptfiguren, der sich gerade auf dem Heimweg von der Schule befindet. Dabei wird er von seiner besten Freundin Lyla begleitet, die ihm mit interessanten Beziehungstipps auf die Nerven zu gehen scheint. Zu Hause angekommen stehen wir gleich vor der ersten Life-is-Strange-typischen Entscheidung. Lyla hält uns eine Zigarette vor die Nase, und wir dürfen entscheiden, ob wir sie annehmen oder nicht. Im Gegensatz zu späteren Entscheidungen beschränken sich die Auswirkungen hier lediglich auf einen etwas anderen Dialog. Anschließend sitzen die beiden für längere Zeit in der Abendsonne und planen die Einzelheiten der bevorstehenden Party. Nachdem sich die Freunde verabschiedet haben, folgen wir Sean ins Haus, wo sein Vater sowie sein jüngerer Bruder Daniel schon auf ihn warten. Nach einem kurzen Gespräch gilt es, die Vorbereitungen für die Party zu treffen und das Haus nach allen benötigten Objekten abzusuchen.

Hier können wir wie gewohnt zahlreiche Gegenstände untersuchen, um ein wenig mehr über das Leben der mexikanischen Familie herauszufinden. So lesen wir nicht nur einen Brief, in dem es um Streitigkeiten mit der Nachbarschaft geht. Wir erfahren außerdem, dass Seans Vater eine Autowerkstatt führt, in der er rund um die Uhr zu arbeiten scheint. Wie in den Vorgängerteilen sind es gerade diese vielen kleinen Details, die Life is Strange 2 äußerst liebenswert machen. Wir lernen die Hauptfiguren nicht nur auf direkte Art und Weise im Rahmen von Dialogen kennen, sondern erfahren auch auf indirekte Art einiges über sie, wodurch die einzelnen Figuren sehr facettenreich dargestellt werden können.

Auch dieses Mal liefert uns DONTNOD eine unglaublich detailliert gestaltete Umgebung, in der es unzählige Dinge und Hinweise zu entdecken gibt. Diese sind bei Weitem nicht alle für die Story relevant, wodurch sie im Prinzip auch ignoriert werden könnten. Doch gerade die Vielzahl an Objekten, die uns Einblicke in die Vergangenheit der Familie, in die Hobbys der einzelnen Familienmitglieder oder auch in ihre Beziehung untereinander geben, machen das Spiel vielschichtig und lebendig. Nicht nur die Atmosphäre der Räume selbst ist sehr gut eingefangen, sondern auch das, was im Hintergrund passiert. So laufen zum Beispiel Passanten am Fenster vorbei, wenn wir hinausschauen, und sogar an den Straßenverkehr oder die Bäume und Sträucher, die sich im Wind bewegen, wurde gedacht. Darüber hinaus sind es kleine Nebensächlichkeiten, die den Alltag der Figuren glaubhaft machen und das Identifikationspotenzial verstärken. So haben wir zum Beispiel die Chance, beim Videochat mit Lyla einen Notizblock zu greifen, um sie währenddessen zu zeichnen. Auch können wir beispielsweise selbst entscheiden, ob wir alkoholfreie Getränke oder Bier mit zur Party nehmen möchten. Durch die verschiedenen Möglichkeiten der Einflussnahme befinden wir uns von Beginn an mitten im Geschehen und fühlen uns den Figuren sehr nah.

Wer die beiden Vorgänger kennt, weiß, dass die entspannte Stimmung in Life is Strange sehr schnell kippen kann – und so ist es auch in Teil 2. Wie aus dem Nichts eskaliert ein Streit zwischen Sean und dem Nachbarsjungen, der seinen Bruder angreift und außerdem mit rassistischen Kommentaren um sich wirft. So finden wir uns kurz darauf in einer handfesten Prügelei wieder, die auch die Aufmerksamkeit eines Polizisten erregt, der sich in der Nähe befindet. Die anschließenden Szenen werden das Leben aller Beteiligten für immer verändern. Was genau passiert, verraten wir euch hier aber natürlich nicht. In diesen dramatischen Momenten offenbart sich uns außerdem Seans Superkraft, die, ähnlich wie die von Max aus Teil 1 gravierende Auswirkungen auf die Umwelt haben kann. Allerdings lässt sie sich zunächst nicht von uns kontrollieren. In den darauffolgenden Szenen sind die beiden Brüder allein unterwegs und erleben ein Abenteuer der besonderen Art. Dabei müssen wir in der Rolle von Sean immer wieder die Führung übernehmen und dafür sorgen, dass dem neunjährigen Daniel nichts passiert. Wir sollten dabei auch auf unseren Tonfall achten, um die Beziehung zum kleinen Bruder nicht zu belasten. Der Roadtrip von Sean und Daniel weiß dabei nicht nur mit der hervorragend in Szene gesetzten emotionalen Bindung zwischen den beiden Figuren zu überzeugen, sondern auch mit einer sehr offen gehaltenen und weitläufigen Spielwelt, wie wir sie in Life is Strange bisher nicht erlebt haben.

Fazit von Daniel Walter (PlayStation 4)

Die Messlatte lag nach Life is Strange und dem Prequel Before the Storm enorm hoch, sodass ich meine Zweifel hatte, ob mich eine komplett neue Geschichte ohne Max und Chloe gleichermaßen fesseln können wird. Life is Strange 2 beginnt sehr harmonisch, drückt aber schon nach sehr kurzer Spielzeit dermaßen auf die Tränendrüse, dass schnell klar war, dass mich das Schicksal von Sean und Daniel ebenso wenig kaltlassen wird wie die Geschehnisse in Arcadia Bay. Nach den dramatischen Ereignissen wechselt das Spiel zu einer Roadtrip-artigen Erzählweise und geht dadurch auch neue Wege, die die Fortsetzung von den Vorgängern abhebt. Gleichzeitig vertraut der Titel auf bewährte charakteristische Merkmale und liefert uns detailliert gestaltete Orte, liebenswerte Charaktere und schwierige Entscheidungen. Darüber hinaus werden politische Themen wie der Rassismus in Amerika sehr feinfühlig aufgegriffen und in die Geschichte mit eingebunden. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Story entwickelt und freue mich jetzt schon auf Episode 2.

GBase-Episodenwertung: 9.0

Episode 2: Rules

Das Abenteuer der beiden Brüder Sean und Daniel, die nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters allein unterwegs sind, wird mit der zweiten Episode Rules endlich fortgesetzt.

Mittlerweile ist es Winter geworden, und die Jungs und ihr kleiner vierbeiniger Freund Trüffel, den sie im ersten Abschnitt der Geschichte befreien konnten, befinden sich mitten im schneebedeckten Wald. Dort versuchen sie, Daniels Superkraft, die bisher nur unkontrolliert in Extremsituationen zum Vorschein kam, gezielt in Bahnen zu lenken. Inzwischen gelingt es ihm, Gegenstände bewusst mittels Gedankenkraft in die Luft zu heben und zu bewegen. Um das Training zu intensivieren, suchen wir im Wald nach neuen Herausforderungen für den kleinen Bruder und steigen so aktiv in die zweite Episode ein. Nach Abschluss des Trainings machen sich die Jungs auf zu ihrem neuen Unterschlupf, einer verlassenen Hütte im Wald, die ihnen in der kalten Jahreszeit einen grundlegenden Schutz und ein Dach über dem Kopf bietet. Schwindende Vorräte sowie Daniels hartnäckiger Husten zwingen die Brüder allerdings dazu, ihr Versteck kurz darauf zu verlassen und weiterzuziehen, und zwar in Richtung Beaver Creek, wo auch ihre Großeltern leben. Obwohl es sich dabei um die Eltern der Mutter handelt, die die Familie vor langer Zeit im Stich gelassen hat, hoffen die beiden darauf, dort Hilfe zu erhalten. Bevor es losgeht, können wir allerdings noch eine oder mehrere Partien "Ship, Captain, Crew" spielen – ein sehr gelungenes Würfel-Minispiel, das auch abseits der Konsole Spaß macht.

Auch in Episode 2 spielt Life is Strange 2 mit Atmosphäre und weiß ganz genau, wie es diese kreiert. So schafft es das Spiel nicht nur, dass sich eine heruntergekommene Hütte im Wald bei Kerzenschein wie das perfekte Zuhause anfühlt, sondern fängt auch eine mehr als überzeugende Weihnachtsstimmung in Beaver Creek ein, sodass es wirklich schade ist, dass es die Entwickler nicht geschafft haben, die zweite Episode vor den Feiertagen zu veröffentlichen. Life is Strange 2 lässt uns aber auch wieder hilflos zurück, wenn wir dabei zusehen müssen, wie den beiden absolut liebenswerten Hauptfiguren Schlimmes widerfährt. Ohne zu viel verraten zu wollen, solltet ihr euch in jedem Fall eine Packung Taschentücher bereitlegen – wir brauchten sie definitiv. Zudem dürfen sich Fans der Reihe auf ein rührendes Wiedersehen mit Chris freuen, den wir schon aus der kostenlosen Episode "The Awesome Adventures of Captain Spirit" kennen.

Fazit von Daniel Walter (PlayStation 4)

Rules macht genau dort weiter, wo die erste Episode aufgehört hat. Der zweite Abschnitt der Geschichte thematisiert die Verbundenheit und den familiären Zusammenhalt der Diaz-Brüder ebenso hervorragend wie ihre Verzweiflung, Angst und Trauer. Man fühlt zu jeder Sekunde mit ihnen mit und möchte alles in der Macht Stehende tun, um ihnen zu helfen. Leider funktioniert das nicht immer, sodass ihr euch auf emotionale und tränenreiche Momente einstellen könnt. Life is Strange 2 ist bis hierhin gleichermaßen überragend wie aufwühlend und mehr als sehenswert.

GBase-Episodenwertung: 9.0

Episode 3: Wastelands

Das intensive Finale der zweiten Episode ist noch immer in bester Erinnerung. Die beiden Brüder sind nun, nachdem sie das Haus ihrer Großeltern verlassen mussten, wieder allein unterwegs in Richtung Mexiko, der Heimat ihres toten Vaters. Bevor es losgeht, fasst das Spiel die bisherigen Ereignisse im Rahmen einer liebevollen Erzählung des großen Bruders Sean noch einmal zusammen und setzt dabei auf stimmungsvoll inszenierte Zeichnungen, die die Emotionen neu aufleben lassen.

Wir steigen mit einem kurzen Flashback in die dritte Episode ein, der drei Monate vor dem schicksalshaften Tag spielt, der das Leben der Brüder für immer veränderte. Da wir als Spieler aber sehr wohl wissen, was die beiden in naher Zukunft erwartet, sorgen die kindischen Streitereien der beiden an dieser Stelle für eine sehr lockere und angenehme Atmosphäre, die uns die traurige Grundstimmung der bisherigen Episoden für kurze Zeit vergessen lässt. Die Rückblende erlaubt es uns außerdem, den Vater der beiden noch mal lebend zu sehen und einen kurzen Blick auf den Alltag der Diaz-Familie zu werfen. Durch die typischen Neckereien der beiden Brüder in ihrer heilen Welt wirkt ihre Beziehung nach dem Schicksalsschlag noch enger. Als es darauf ankommt, ist Sean für seinen jüngeren Bruder da und übernimmt Verantwortung.

Zurück in der Wirklichkeit, treffen wir Sean und Daniel auf einem kleinen Zeltplatz wieder, den sie sich mit mehreren anderen jungen Leuten, die sie unterwegs getroffen haben, teilen. Seit dem Vorfall bei ihren Großeltern sind zwei Monate vergangen. Zwei Mitglieder der Clique, nämlich Finn und Cassidy, sollten uns bekannt vorkommen, da sie uns auf dem Weihnachtsmarkt in der vergangenen Episode schon mal begegnet sind. Auch wenn der Zeltplatz insgesamt recht gemütlich wirkt, ist er letztlich nichts anderes als ein Obdachlosencamp, wo definitiv keine luxuriösen Verhältnisse vorherrschen. Im Laufe der dritten Episode wird deutlich, dass das Leben auf der Straße langsam seine Spuren hinterlässt. Das Verhältnis der beiden Brüder wirkt recht angespannt und weit weniger harmonisch als in den vergangenen Episoden.

Sean nutzt die Gelegenheit, um im Camp viel Zeit mit den anderen Gleichaltrigen zu verbringen, wodurch sich Daniel vernachlässigt fühlt. Der jüngere Diaz hat außerdem nach wie vor Schwierigkeiten damit, seine Kraft zu kontrollieren, und ist bei Weitem nicht so vorsichtig damit, wie es Sean ihm immer wieder rät. Die ständige Angst, dass Daniels Superkraft auffliegt, sowie die Tatsache, dass sich beide aktuell spürbar voneinander entfernen, sorgt für neue Spannungen. Hinzu kommt die Gewissheit, dass das Geld der Brüder noch nicht ausreicht, um nach Mexiko zu gelangen, wodurch die aktuelle Situation erst mal ausweglos erscheint. Diese beinhaltet übrigens auch die offensichtlich illegale Arbeit auf der Hanfplantage eines zwielichtigen Typen namens Merrill.

Fazit von Daniel Walter (PlayStation 4)

Auch Episode 3 schafft es wieder, auf gewohnte Life-is-Strange-Art zu bewegen. Zum Beispiel dann, wenn Daniel am Lagerfeuer von seinen traurigen Erinnerungen erzählt oder Sean seinem Bruder im Zelt mit einer Gute-Nacht-Geschichte beim Einschlafen hilft. Zum ersten Mal in Life is Strange 2 erwarten euch aber auch diverse Längen, die die Episode zur bisher schwächsten machen. Besonders negativ sind mir hier die eintönige und viel zu lange Arbeit auf der Plantage oder auch die sehr ausgedehnten und inhaltlich wenig überzeugenden Gespräche der Gruppe am Lagerfeuer aufgefallen. Klar, hier soll das triste und eingeschränkte Leben der beiden Protagonisten unterstrichen werden. Ähnliche Aspekte wurden in der Vergangenheit aber einfach schon besser und interessanter vermittelt. Bleibt zu hoffen, dass Episode 4 wieder an alte Stärken anknüpfen können wird.

GBase-Episodenwertung: 8.0

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