Far Cry New Dawn PS4

Far Cry New Dawn: Review

Nur knapp ein Jahr ist es her, dass wir uns in Far Cry 5 auf den Weg in den fiktiven Landkreis Hope County in Montana gemacht haben, um dort einer fanatischen Sekte, die den Weltuntergang propagiert, entgegenzutreten. Im Ableger Far Cry New Dawn wird deutlich, dass zumindest etwas Ähnliches passiert sein muss, denn es verschlägt den Spieler dort abermals nach Hope County, das durch einen nuklearen Zwischenfall verwüstet wurde. Wir haben uns erneut in die fiktiven USA begeben, um zu sehen, was sich seit unserem letzten Besuch dort alles verändert hat, und berichten von unseren Eindrücken im Test.

Wiedersehen macht Freude

Far Cry New Dawn ist storytechnisch circa 20 Jahre nach Spielende des geistigen Vorgängers Far Cry 5 angesiedelt. Nach einem Fallout, der die Landstriche verwüstete und die Überlebenden des Unglücks zwang, sich in ihre – dem Preppertum sei Dank – eigens dafür hergerichteten Schutzbunker zurückzuziehen, betreten wir in der Haut des namenlosen "Captains" das postapokalyptische Hope County. Denn zwei Jahrzehnte nach dem Unglück scheint die Zeit reif zu sein, sich wieder an die Oberfläche und an einen Wiederaufbau von Gesellschaft und Zivilisation zu wagen, wobei wir behilflich sein sollen.

https://www.youtube.com/watch?v=4Nj6YEH3sPk

Dumm nur, dass sich auch eine banditenhafte Gruppierung namens "Highwaymen" unter der Führung zweier durchgeknallter Zwillingsschwestern gebildet hat, die ganz eigene Interpretationen von Wiederaufbau und funktionierender Gesellschaft haben. So brausen die Highwaymen durch die Landstriche und plündern und brandschatzen die wenigen noch vorhandenen Ressourcen, beseitigen, wer ihnen dabei im Weg steht, und haben auch sonst nur zum Ziel, nach der Apokalypse mal so richtig auf den Pudding zu hauen und folgenlos Spaß zu haben.

Entsprechend sauer stößt ihnen auf, dass plötzlich der Spieler auf den Plan tritt, der im verwüsteten Hope County wieder für etwas Ähnliches wie Recht und Ordnung sorgen und das von den Highwaymen ausgeübte Recht des Stärkeren als nicht ganz zulässig erklären möchte. Abermals dürfen wir nun also unsere Ziele mit Waffengewalt durchsetzen und den Highwaymen Schritt für Schritt die Kontrolle über die Landstriche streitig machen. Dabei besuchen wir (als Kenner des spirituellen Vorgängers) viele altbekannte Orte und Charaktere, treffen jedoch auch auf neue Gesichter, die uns liebend gern bei unseren Zerstörungsorgien unterstützen.

Der nukleare Winter ist pink

Die größte Sorge, die wir vor Spielbeginn hatten, war das Wissen, dass die Handlung in derselben Spielwelt wie Far Cry 5 stattfindet und sich das Spielgefühl deshalb recycelt anfühlen könnte. Glücklicherweise hat sich dies als völlig unbegründet erwiesen, da die Entwickler ein gutes Gespür dafür bewiesen haben, dem Altbekannten ausreichend neue Aspekte hinzuzufügen, sodass es sich trotzdem nach neuer und unerforschter Spielwelt anfühlt. So gefiel uns aus rein optischer Sicht beispielsweise die Entscheidung, das völlig zerstörte Hope County mit starker Farbsättigung und vielen grellen Neonfarben – allen voran Pink – zu versehen. Das visualisiert hervorragend den apokalyptischen Überschwang und Wahn der Highwaymen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise beschlossen haben, das "Beste" aus einem Fallout zu machen.

Weiterhin begegnen Spieler, die bereits in Far Cry 5 unterwegs waren, vielen sichtlich gealterten Protagonisten oder lernen ihre Nachfahren kennen und können sich regelrecht nostalgisch auf den Weg machen, um zu schauen, was beispielsweise aus der F.A.N.G.-Station oder dem Trailer-Park geworden ist, und dort zahlreiche Hinweise auf die früheren Bewohner und ihre Schicksale finden. Spieler, die die Spielwelt erstmals betreten, brauchen jedoch keine Sorge haben: Story und Spielwelt sind so konzipiert, dass auch ohne Vorwissen ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Spätestens jedoch, wenn zu erahnen ist, dass Far-Cry-5-Antagonist Joseph Seed und eventuell sogar der Deputy sich noch in Hope County aufhalten (könnten), ist es natürlich spannend, das Vorwissen um die Figuren und ihre Motive zu besitzen.

https://www.youtube.com/watch?v=bDI6a2Fy2Qw

Auch spielmechanisch haben die Entwickler das Far-Cry-Grundrezept natürlich beibehalten, jedoch um erfrischende Komponenten weiterentwickelt. So kommen in New Dawn – analog zum sinngebenden Wiederaufbau – nun Crafting-Tätigkeiten hinzu. Neben dem obligatorischen Befreien der Außenposten, den Schatzsuchen, dem Retten von Geiseln etc. ist es auch wichtig und sinnvoll, Ressourcen zu sammeln und mithilfe von diesen die eigene Basis, eine Stadt namens Prosperity, sowie seine Ausrüstung und Waffen aufzuwerten. Denn das Spielprinzip wurde nun auch um eine Rollenspiel-artige Stufenkomponente erweitert: Begegnen wir einem Elitegegner der höchsten Stufe, wird eine Waffe der Stufe 1 diesem kaum einen Kratzer verpassen. Die Werkbank muss also verbessert werden, um entsprechend höherstufige Waffen herstellen zu können.

Dies mag den einen oder anderen spielerisch einschränken, weil er nicht sofort gegen alles und jeden ins Feld ziehen kann. Uns hingegen hat diese Limitierung sehr gut gefallen und für große Spielmotivation gesorgt, da wir uns die dicken und coolen Wummen, wie beispielsweise den Sägeblattwerfer, auf diese Weise erst verdienen mussten und es sich entsprechend gut angefühlt hat, mit diesen dann ins Feld ziehen zu können. An anderen Stellen kommt das Spiel wieder ein wenig abgespeckter daher. So dürfen wir nur noch einen Helfer mit ins Gefecht nehmen, zudem ist der Spielumfang mit knapp 15 Spielstunden relativ gering. Ebenso wurde der Arcade-Modus des fünften Teils nicht mit übernommen – der Kooperativmodus hingegen schon, was unserer Meinung nach auch völlig ausreichend ist.

Fazit von Jessica Rehse (PlayStation 4)

Also ich muss ja zugeben, dass ich – seitdem ich nach der Konzeptänderung mit Far Cry 2 überhaupt nicht warm geworden bin und mit Far Cry 3 starke Startschwierigkeiten hatte – diese Spielereihe mittlerweile einfach liebe. So konnte mich auch Far Cry New Dawn sofort wieder abholen, und ich habe diesen Ableger wie schon seine Vorgänger wieder kaum ausschalten können, weil mein Forscherdrang mich immer weiter durch das knallig pinke Hope County getrieben hat. Da es sich um kein vollwertiges Far Cry handelt, sondern eher als eine Art Far Cry 5 1/2 angesehen werden kann, sehe ich keine Grundlage, mich über die recht geringe Spielzeit und den verminderten Spielumfang zu beschweren, obwohl ich mir als Fan natürlich mehr gewünscht hätte – dafür kostet es eben entsprechend weniger. Für ein paar spaßige Spielstunden in bester Far-Cry-Manier kann hier meines Erachtens trotz der Schlankheitskur bedenkenlos zugegriffen werden.

Pro
  • Geschickt und konsequent an den geistigen Vorgänger angeschlossen
  • Für Neulinge und Serienkenner geeignet
  • Spaßiger, motivierender Spielverlauf
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra
  • Antagonistinnen mitunter ziemlich nervig
  • Hinzurufen der Helfer fehlerbehaftet
  • Gegner-KI und mitunter auch Helfer-KI mit größeren Ausfällen
Gesamtwertung
  • Abwechslung Sehr Gut
  • Atmosphäre Sehr Gut
  • Bedienung Gut
  • Langzeitmotivation Sehr Gut
  • Herausforderung Gut
  • Spieldauer Gut
  • Multiplayer nicht verfügbar
  • Preis/Leistung Gut
8.0
  • News
  • Videos
  • Screenshots
Keine Videos gefunden.
Keine Screenshots gefunden.

Far Cry New Dawn Facts

  • GenreAction: 3D-Shooter
  • Release15. Februar 2019
  • EntwicklerUbisoft
  • PublisherUbisoft
Mehr Informationen
Loading