Days Gone PS4

Days Gone: Review

Exklusivtitel sind ein überaus wichtiges Gut für eine Videospielkonsole, und mit Days Gone hat man bereits vor geraumer Zeit einen solchen Titel für die PlayStation 4 angekündigt. Sogar viel mehr, denn als AAA-Produktion angepriesen, ist die Erwartungshaltung vor allem auch in den Monaten vor dem Release angestiegen, da die Entwickler die wartenden Fans mit immer neuen Bildern der umherstreifenden Zombiehorden verwöhnten. Wir hatten nun die Gelegenheit, uns in die offene Welt von Days Gone zu bewegen, um zu klären, ob der Hype tatsächlich gerechtfertigt ist.

Die Freaker sind los

Es ist schon fast verwunderlich, dass das Zombiethema immer noch derart präsent ist. Auch wenn einschlägige Serien mit rückläufigen Quoten zu kämpfen haben, erblicken immer wieder neue Produktionen das Licht der Welt. Davon nicht ausgenommen ist auch der Bereich der virtuellen Abenteuer. Days Gone ist da der wohl jüngste Vertreter des Zombiegenres. Doch wie es sich für ein modernes Abenteuer unter Untoten gehört, wird das Z-Wort zu keiner Zeit in den Mund genommen. Freaker heißen die hungrigen Zeitgenossen im Kosmos von Days Gone und haben die Welt inzwischen fest im Griff. Offenbar hat abermals ein Virus für den Ausbruch gesorgt, und binnen kürzester Zeit hat sich die Bevölkerung der Lebenden auf ein Minimum dezimiert.

Ein Überlebender ist der Biker Deacon St. John, in dessen Rolle der Spieler über die gesamte Spiellänge schlüpfen darf. Gemeinsam mit seinem besten Kumpel Boozer, der ebenfalls Mitglied in einem Motorradklub war, und seiner angetrauten Sarah, erlebt er die ersten Minuten während des Ausbruchs. Doch statt sich alle drei gemeinsam retten können, wird Sarah verletzt. Deacon kann gerade noch dafür sorgen, dass seine Partnerin von einem flüchtenden Helikopter mitgenommen wird, wobei er und Boozer zurückbleiben. Kurz nach diesem Erlebnis springt das Spiel einige Zeit voraus, und man findet sich in der fiktiven Farewell-Wildnis von Oregon wieder. Während sich der Hauptcharakter gemeinsam mit seinem Kumpel einen Unterschlupf gesucht hat, erfährt man sukzessive, dass Sarahs Helikopter in einem Flüchtlingscamp gelandet ist und dieses kurz darauf von den Freakern überrannt wurde. Nicht die besten Voraussetzungen also, um sich der Apokalypse zu stellen. Dennoch obsiegt der Überlebensinstinkt, und Deacon nutzt inzwischen seine Fähigkeiten als Biker und ehemaliger Elitesoldat, um sich in der Welt als Drifter zu betätigen.

Days Gone Screenshot

Drifter sind Leute, die Freaker beseitigen und Überlebende befreien – allerdings nur für gewisse Gegenleistungen. Es gibt nämlich noch andere Überlebende in der Welt, die sich zum Teil in Camps zusammengeschart haben. So sieht also das neue Leben von Deacon aus. Er reist mit seinem Bike von Camp zu Camp und erfüllt Aufträge. Dabei geht es stets ums Überleben, wobei der Spieler immer wieder auch interessante Charaktere in den Camps kennenlernt. Sicherlich kann man sich in der Welt von Days Gone wie bereits angedeutet recht frei bewegen, doch handelt es sich um ein eher storylastiges Spiel.

Der rote Faden nimmt einen riesigen Platz ein, und minutenlange Zwischensequenzen sind keine Seltenheit. Dabei wirkt die Story teilweise wie eine Mischung aus Sons of Anarchy und The Walking Dead. Das wird sicherlich nicht jedem gefallen, da die Handlung hier und da mal in seichte Gewässer abdriftet, einige Klischees bedient und vor allem zu Beginn mit diversen Rückblenden recht holprig erzählt wird. Dennoch präsentiert sie sich als ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Gameplay und der zugrundeliegenden Endzeit-Atmosphäre, die ihren Job mehr als gut erfüllt. Man möchte immer wissen, wie es weitergeht. Einige Momente bleiben dabei eindrücklich, auch wenn sie sich etwas zu selten zeigen. Etwa, wenn sich Deacon mit Boozer zum ersten Mal zu einem anderen Camp aufmacht. Unterwegs mit dem Motorrad durch eigentlich idyllische Landschaften, und dazu eine Portion melodische Country-Musik.

Dass die Handlung trotz einiger Schwächen so gut funktioniert, liegt neben der gelungenen Synchronisation aber auch am Ort des Geschehens. Die Wildnis von Oregon entpuppt sich als ein recht unverbrauchtes Setting. Dichte Wälder, Bäche und Berge, die von der Sonne umhüllt werden, präsentieren sich genauso wie kleine Siedlungen, verlassene Tankstellen und durch Autos verstopfte Tunnel. All das in Verbindung mit dem dynamischen Wettersystem, das einen selbst in verschneite Gegenden bringt, sorgt dafür, dass man sich rasch in der Spielwelt zu Hause fühlt. Auf den ersten Blick vermag die Umgebung wirklich perfekt zu sein, immerhin weiß Days Gone auch grafisch mit all seiner Schönheit zu überzeugen. Doch ist wie so oft ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Technisch leistet sich der Titel nämlich allerhand Schwächen. Ständige Ruckler, Clipping-Fehler und Abstürze sind da nur die Spitze des Eisbergs. Immer wieder entdeckt man kleinere Grafikfehler bis hin zu Orten, in denen man unter die Spielwelt fällt und dadurch stirbt. Wie solch eine Häufung von Problemen durch die Qualitätskontrolle kommen konnte, bleibt fraglich, zumal die vielen Fehler die Atmosphäre doch deutlich schmälern. Da kann man nur hoffen, dass die Macher hier auch noch nach dem Release Hand anlegen werden.

Überlebenskünstler trifft Raufbold

Days Gone will aber nicht nur als reines Story-Abenteuer auftrumpfen. So stellt die offene Welt einen wichtigen Eckpfeiler im Spielprinzip dar. Da man im Laufe des Abenteuers sehr weite Strecken zurücklegen muss, ist man über das eigene Motorrad sehr dankbar. Den Überlebens-Aspekt muss man bereits hier im Auge behalten, denn der Tank will regelmäßig nachgefüllt werden, und nach Stürzen muss das Gefährt teils repariert werden. Sukzessive wertet der Spieler das Bike durch Verbesserungen auf. Die Steuerung ist gerade zu Beginn etwas schwammig, doch nach einiger Zeit tritt eine gewisse Gewöhnung auf, sodass man sein Motorrad kaum noch missen will.

Das ist vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass die Welt voller Gefahren ist. Tagsüber begeben sich die meisten Freaker an ihre Schlafstellen, nachts sind sie in Massen unterwegs. Darüber hinaus sind auch menschliche Widersacher ein großes Problem. Kopfgeldjäger versuchen einen nicht selten aus einem Hinterhalt heraus zu ermorden oder warten in kleinen Verstecken mit allerhand Schießkraft auf den Spieler. Ein verrückter Kult, der sich Ripper nennt, ist außerdem noch gefährlicher. Die mit Narben übersäten Anhänger wollen den Freakern ähnlich werden und schrecken vor keiner Gräueltat zurück.

Days Gone Screenshot

Durch diese verschiedenen Gegnergruppen entstehen auch die vielfältigen Aufgaben im Spiel. Die einzelnen Camps vergeben Aufträge, bei denen man zum Beispiel bestimmte Zielpersonen ausschalten oder gefangen genommene Camp-Mitglieder retten muss. Schleichmissionen sind ebenso wie actionreiche Ballerabschnitte vorhanden. Dabei geht es je nach Story-Mission in verlassene Sägewerke oder zu einem Stromkraftwerk. Ein zusätzlicher Erzählstrang führt Deacon außerdem zu den sogenannten NERO-Forschern, womit man einige Hintergründe des Ausbruchs und der Entwicklung der Freaker mitbekommt. Obwohl die Aufgaben irgendwann durchaus generisch anmuten, verliert man kaum die Motivation. Vermutlich auch, weil man sich durch verdiente Camp-Punkte neue Waffen kaufen kann und einem durch zunehmenden Fortschritt freischaltbare Fähigkeiten in den drei Talentbäumen zur Verfügung stehen. Motivierte Spieler können derweil auch als Sammler bzw. Jäger auftreten und auf die Suche nach Pflanzen gehen, Rehe erlegen oder Fährten auswerten, um Überlebende zu finden. All das ist nützlich, um mehr Punkte zu sammeln und dank einiger Crafting-Funktionen neue Waffen wie Molotowcocktails oder mit Nägeln bespickte Baseballschläger herzustellen.

Trotz der vielen Möglichkeiten bleibt der fade Beigeschmack, dass die meisten Abschnitte kaum zur Erkundung einladen, da es nur wenige Geheimnisse in der Welt gibt. Größere Städte wurden im Vorfeld zwar versprochen, fehlen jedoch völlig. Außerdem ist beim Erkunden besonders am Anfang die Gefahr groß, dass man auf eine Freaker-Horde trifft. Die Horden sind aber nichtsdestoweniger ein absolutes Highlight im Spiel. Die Gruppen von mehreren hundert Untoten sind einfach eindrucksvoll dargestellt. Haben sie einen erst mal entdeckt, rennen sie auf den Spieler zu, der kaum eine Chance hat. Die schiere Masse an Gegnern sorgt schon für einen Anstieg des Adrenalinspiegels. Wirkliche Möglichkeiten, gegen solch eine Gruppe anzutreten, erlangt der Held aber erst gegen Ende des Abenteuers. Das ist schade, da man so manch eine Erkundungstour schlichtweg meidet.

Fazit von Daniel Dyba (PlayStation 4)

Lange habe ich mich gefragt: Ist das tatsächlich das richtige Spiel, das ich hier vor mir habe? Habe ich vielleicht irgendetwas falsch gemacht, dass all diese vielen Fehler auftauchen? Doch irgendwann kam die Erkenntnis, dass dieses Spiel eben Days Gone ist. Die bewegten Bilder und die vorab getätigten Versprechungen haben tatsächlich ein anderes Bild suggeriert. Damit können die Erwartungen zum Großteil leider nur enttäuscht werden. Schade.

Das bedeutet aber nicht, dass Days Gone schlecht ist. Hat man sich erst mal auf die Realität eingelassen, entpuppt sich das Abenteuer als ein durchaus motivierendes Actionspiel, das mit vielen Crafting-Funktionen, Freaker-Horden und einer interessanten Handlung zu gefallen weiß. Gepaart mit der hübsch gestalteten Spielwelt wäre das mehr als in Ordnung, wäre da nicht die zum Teil ziemlich verhunzte Technik. Die vielen Ruckler, Abstürze und Fehler machen die sonst eigentlich passende Atmosphäre oftmals kaputt, und so etwas sollte bei einem Titel, der derart lange in Entwicklung war, nicht passieren. Dennoch kann ich Days Gone mit Einschränkungen empfehlen, doch wer zu hohe Erwartungen hat, sollte lieber die Finger von dem Spiel lassen. Potenzial für die Zukunft ist aber trotzdem vorhanden, schließlich erweist sich das Setting als eine willkommene Abwechslung.

Pro
  • Große, interessante Spielwelt
  • Tolle dynamische Wetter- & Tageszeitwechsel
  • Interessante Handlung
  • Gelungene Synchronisation
  • Furchteinflößende Freaker-Horden
Contra
  • Viele Fehler, Ruckler und Abstürze
  • Welt motiviert zu wenig zu Entdeckungstouren
  • Motorradsteuerung etwas zu schwammig
  • Manche Aufgaben etwas generisch
  • Erzählung zu Beginn recht holprig
Gesamtwertung
  • Abwechslung Befriedigend
  • Atmosphäre Befriedigend
  • Bedienung Befriedigend
  • Langzeitmotivation Befriedigend
  • Herausforderung Befriedigend
  • Spieldauer Sehr Gut
  • Multiplayer nicht verfügbar
  • Preis/Leistung Befriedigend
7.0
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Days Gone Facts

  • GenreAction: Adventure
  • Release26. April 2019
  • EntwicklerSIE Bend Studio
  • PublisherSony
  • USKkeine Jugendfreigabe
  • PEGI18+
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