Batman: The Enemy Within: The Telltale Series PC

Batman: The Enemy Within: The Telltale Series: Special

Mit The Enemy Within schickt Telltale Games sein Episoden-Abenteuer um die menschliche Fledermaus in eine zweite Staffel. Wir testen sukzessive die einzelnen Kapitel und ziehen am Ende ein Gesamtfazit.

Episode 1: The Enigma

Fans der DC-Comics werden es anhand des Namens des ersten Kapitels bereits ahnen, mit wem Batman und Gotham es zu tun bekommen. Enigma steht nämlich nicht etwa für die berüchtigte deutsche Chiffriermaschine, sondern bezieht sich auf Edward Nygma (E. Nygma), der unter seinem Schurkennamen The Riddler bekannt ist.

Der psychisch kranke Bösewicht kehrt nach langer Abstinenz nach Gotham zurück und stellt dem Waffenschmuggler Mori wegen eines geplatzten Deals eine makabre Rätselfalle mitten in einem Casino. Nicht zufällig befindet sich zu der Zeit auch Bruce Wayne im Raum, der ein interessiertes Auge auf Mori geworfen hat und durch Riddlers plötzliche Intervention überrascht wird. Dabei ist der Vorfall nur ein Nebenschauplatz, plant der Wahnsinnige doch etwas bedeutend Gefährlicheres, das die gesamte Stadt bedroht.

Zunächst fällt auf, dass Telltale Games' Arbeiten an der hauseigenen Engine Früchte trugen. Nur selten begegneten uns noch Ruckler. Die meiste Zeit konnten wir die erneut recht atmosphärische Präsentation also ungestört genießen. An der miserablen Ingame-Kantenglättung hat sich derweil nichts getan – manche Schauplätze werden wieder von hässlichem Kantenflimmern verunstaltet. Schade.

Aber zurück zum Inhaltlichen, denn hier hat die Debüt-Episode von Staffel 2 ungewohnt viel zu bieten. Die Spieldauer ist (in unserem Fall) mit rund zweieinhalb Stunden bemerkenswert lang für ein Telltale-Kapitel – und trotzdem relativ kurzweilig, denn der Riddler ist als Hauptschurke einfach genial-böse und unterhaltsam. Selbstverständlich werden wir im Verlauf mit dem einen oder anderen, potenziell tödlichen Rätsel konfrontiert. Für die Lösung müssen wir Räumlichkeiten akribisch untersuchen, Spuren miteinander verknüpfen und teils unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Klar, an den Anspruch der Riddler-Rätsel in der Arkham-Reihe kommt Telltales Variante nicht im Geringsten heran. Allerdings ist es erfreulich, dass abseits der gewohnt spannenden Dialoge und exzellent choreografierten Gefechte vermehrt Abwechslung geboten wird. Mächtig auf den Keks gingen uns lediglich wiederholte Bildschirmtode, die bei zeitkritischen Aufgaben auftraten und uns zu Kontrollpunkten zurückschickten, die ein erneutes Anschauen nicht abbrechbarer Dialogsequenzen zur Folge hatten. Ärgerlich nicht, weil der Schwierigkeitsgrad so deftig gewesen wäre, sondern aufgrund von Patzern beim Spieldesign oder der Kameraperspektive, die schlicht im Unklaren ließen, was genau denn gerade zu tun war.

Die Entwickler scheinen stark auf eine höhere Entscheidungsvielfalt bedacht gewesen zu sein. So dürfen wir nicht nur an Schlüsselstellen wieder wählen, ob wir einer von zwei Spuren als Bruce oder Batman nachgehen. Bei Kämpfen stehen uns neuerdings zudem des Öfteren zwei verschiedene Finishing-Moves zur Wahl. Der Wiederspielwert wird durch diese Elemente, und die sowieso Spielverlauf verändernden Dialog-Optionen, natürlich zusätzlich erhöht. Die Dramatik beim Storytelling wurde dadurch nicht negativ tangiert und wartet mit einigen Höhepunkten auf. Da auch der junge Joker wieder eine Rolle spielt, ertappten wir uns nicht selten dabei, wider besseren Wissens Mitleid und Verständnis für ihn zu empfinden, ihn vielleicht sogar tendenziell freundschaftlich zu behandeln. Ein gutes Beispiel für die moralischen Zwickmühlen, in die uns auch das neueste Telltale-Abenteuer wieder gekonnt verwickelt.

https://www.youtube.com/watch?v=cXdUBq30gP4

Fazit von Daniel Boll (PC)

"The Enigma" ist ein gelungener Auftakt zur zweiten Staffel – mit einer Spieldauer, die es in dieser Länge bei Telltale-Titeln ewig nicht mehr gab. Erfolgsgarant des Debüts ist sicherlich der Riddler als genialer Bösewicht, dem mit grausamen Rätselfallen und einer exzellenten Vertonung Rechnung getragen wird. Noch geiler wären wirklich anspruchsvolle Puzzles im Arkham-Stil gewesen. Aber die Hoffnung auf einen knackigeren Schwierigkeitsgrad habe ich im Prinzip längst aufgegeben. Dennoch bin ich gespannt, wie sich Staffel 2 weiterentwickeln wird.

GBase-Episodenwertung: 7.5

Episode 2: The Pact

Nachdem Riddler mit einer giftigen Substanz vor den Augen Batmans erledigt wurde und die Agency-Chefin Waller ihre Kenntnis der wahren Identität des Superhelden preisgab, steht nun die Undercover-Infiltration der kriminellen Vereinigung an, die Riddler führte. Als Bruce Wayne müssen wir zunächst das Vertrauen des noch immer sehr devoten Jokers und seines dominant-aggressiven Schwarms Harley Quinn gewinnen, indem wir bei Wayne Enterprises etwas stehlen. Dabei fällt es schwer, bei den psychologischen Spielchen der beiden Irren die Fassung zu bewahren, gefährden sie doch das Leben von Unbeteiligten. Die Gratwanderung zwischen Schadensminimierung und Aufrechterhaltung der Tarnung ist spannend und amüsant zugleich. Telltale Games hat es geschafft, den Wahnsinn von Joker und Harley glaubhaft in Szene zu setzen – sowohl was deren Handlungen angeht, als auch hinsichtlich Gestik, Mimik und Vertonung.

Der hohe Abwechslungsreichtum der Debüt-Episode wird in The Pact nicht ganz erreicht, obschon spektakuläre Kämpfe mit einem bekannten Hünen und einige spannende Dialoge vorhanden sind. Mit rund 100 Minuten ist Kapitel 2 aber eben auch wieder deutlich kürzer geraten. Schade ist zudem, dass die Qualitätskontrolle einen fiesen Fehler übersehen hat: In einer Aufzugszene kann es unter Umständen zu einem Schaufensterpuppen-artigen Stillstand der darin befindlichen Personen kommen, während Dialoge weiterlaufen. Ein Neustart am letzten Kontrollpunkt schaffte in unserem Fall Abhilfe.

https://www.youtube.com/watch?v=MdeEbhgU1r0

Fazit von Daniel Boll (PC)

Erste Befürchtungen, die zweite Staffel könnte nach dem frühen Tod des Riddlers an Fahrt verlieren, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Dank Joker und Harley, aber auch anderen Superschurken ist für passenden Ersatz gesorgt. Dabei hat Telltale Games die psychisch gestörten Charaktere derart glaubhaft hinbekommen, dass sich fast dauerhaft eine bedrohliche, aber auch schräge und in Teilen amüsante Atmosphäre einstellt. Man ist regelrecht froh, dass man diese Gestalten wieder los ist, sobald man das Spiel beendet.

Dass die Spieldauer und die Abwechslung nicht mehr auf dem Niveau von Kapitel 1 sind, ist schade. Auch der oben genannte Aufzugfehler schmälert den ansonsten soliden Eindruck und wird hoffentlich noch per Patch beseitigt. Um das peinliche Fotoskandälchen hat man sich schließlich auch schon gekümmert.

GBase-Episodenwertung: 7.0

Episode 3: Fractured Mask

Im Kern dreht sich dieses Kapitel um Riddlers verschlüsselten Laptop, der sich in den Händen von Harley Quinn befindet und mutmaßlich Informationen enthält, die sowohl für The Pact als auch für Batman und die Agency nützlich sein könnten. Es gilt folglich, sich über das Absolvieren diverser Rätsel des verstorbenen Wahnsinnigen Zugang zum Gerät zu verschaffen. Die Halbzeit der zweiten Staffel vertieft nebenbei die seltsame Zweckbeziehung zwischen Bruce und dem (späteren) Joker. Letzterer weiß noch immer nicht so recht, woran er bei seinem Schwarm Harley ist und wie er ihn erobern könnte. Wir entschieden uns dazu, ihm auf amüsante Weise Nachhilfe in Sachen Flirts zu geben. Doch auch das Gefühlsleben des Helden gerät durcheinander, als Catwoman auftaucht und wir nicht nur einmal dazu gezwungen werden, in wichtigen Ereignissen zwischen Gordon und der Liebschaft zu wählen.

Technisch grätschten mal wieder leicht ruckelnde Kamerafahrten und unschönes Kantenflimmern in die ansonsten erneut fabelhafte Atmosphäre.

https://www.youtube.com/watch?v=YeZvsker5Xo

Fazit von Daniel Boll (PC)

Fractured Mask bot mir über die rund zweistündige Spieldauer kurzweilige Action und Spannung. Obendrauf gab's wieder einige Lacher, bedingt durch die fragil-naive Beziehung zwischen dem künftigen Joker und Bruce Wayne. Es ist verrückt: Man weiß genau, dass man die Verwandlung des verletzlichen Charakters in den wahnsinnigen Psychopathen nicht aufhalten können wird. Aber man versucht es trotzdem, indem man sich so stark wie möglich für ihn einsetzt, Enttäuschungen und Verletzungen vermeidet. Da ist Telltale Games schon ein großes treibendes Element gelungen.

GBase-Episodenwertung: 7.5

Episode 4: What Ails You

In der vorletzten Episode der zweiten Staffel geht's der kriminellen Bande rund um Harley Quinn an den Kragen. Zunächst müssen wir uns als Bruce aus der Frostkammer befreien, um dann Bane und Co in spektakulären Kämpfen einzuheizen. Die Quick-Time-Events wurden hierfür deutlich vielfältiger gestaltet und heben den Anspruch ein wenig. Gern mehr davon.

Im weiteren Verlauf spielt natürlich auch die ambivalente Beziehung zum werdenden Joker wieder eine große Rolle. Der Wahnsinn von John Doe manifestiert sich stärker und bringt uns in Dialogen in immer ärgere Bedrängnis. Reinen Tisch machen oder weiter den guten Freund spielen? Es liegt in unserer Hand. Ein Novum in der bisherigen Geschichte von Telltales Batman: Es haben sogar ein paar seichte Gruselelemente den Weg in Episode 4 gefunden.

https://www.youtube.com/watch?v=dooxl88NKgo

Fazit von Daniel Boll (PC)

Die mit 80 Minuten recht kurze vierte Episode überzeugt mit erweiterten Quick-Time-Events und spannenden Auseinandersetzungen mit dem zunehmend wahnsinnig werdenden John Doe. Die Frage, ob man dem Joker in spe weiterhin Vertrauen schenkt, hat spürbaren Einfluss auf den Verlauf der Handlung. Ich bin gespannt, welche Überraschungen das Finale der zweiten Staffel in der Hinsicht noch bereithalten wird.

GBase-Episodenwertung: 7.5

Episode 5: Same Stitch

Telltale Games hat ein furioses Staffelfinale inszeniert und lässt gleich zu Beginn die Muskeln seiner erweiterten 3D-Engine spielen. In spektakulären Gefechten gegen Bane weisen die Umgebungen einen bis dato nicht gekannten Zerstörungsgrad auf – wenn auch geskriptet. Gern mehr davon in künftigen Titeln!

In unserem Fall hat sich die Beziehung zum Joker eher freundschaftlich entwickelt. Je nach Entscheidungen in den Vor-Episoden hätte es auch anders kommen können, was den Verlauf des Finales spürbar geändert hätte. Da wir stets versuchten, John Doe in vernünftige Bahnen zu lenken, eifert er uns nun als "Vigilante Joker" nach und will selbst ein Superheld sein, der für Gerechtigkeit sorgt. Allerdings ohne den strengen Kodex der Fledermaus, was natürlich für einige neue Reibungspunkte sorgt.

Die erste Hälfte von Episode 5 ist fast schon ein atemloser Action-Thriller. Kinoreif präsentiert, und inklusive einer delikaten Selbstverarztungsszene, wie Telltale sie in The Walking Dead etablierte. Die Quick-Time-Events in den Kämpfen sind komplexer geworden, teils etwas zu hektisch. In der zweiten Hälfte des Finales geht's dann eher dialoglastig zur Sache, mit einigen überraschenden Enthüllungen und Gänsehaut-Entscheidungen.

https://www.youtube.com/watch?v=KAKppe2HJk0

Fazit von Daniel Boll (PC)

Wow, die finale Episode ist ganz großes Kino geworden und heimst zu Recht die beste Teilwertung der zweiten Staffel ein. Die Telltale-Engine scheint langsam erwachsen zu werden – der ungewohnt hohe Zerstörungsgrad darf gern öfter zum Einsatz kommen. Handlungstechnisch und spielerisch wird ebenfalls Abwechslung geboten. Insgesamt ein sehr runder Abschluss.

GBase-Episodenwertung: 8.0

Gesamtfazit von Daniel Boll (PC)

Mit der zweiten Staffel von Telltales Batman wird eine grundsolide, in meinem Fall rund neunstündige Fortsetzung geboten, bei der der werdende Joker die treibende Kraft darstellt. Er stiehlt mit seinen Psychospielchen, Witzen und Ausrastern der Fledermaus die Show. Und obwohl ich genau weiß, dass aus dem Clown ein Bösewicht werden muss, war ich stets darauf bedacht, eine freundschaftliche Beziehung zu ihm einzugehen und seine charakterlichen Fehler zu relativieren. Wer die erste Batman-Staffel mochte, wird die zweite lieben – und obendrauf mit einer Engine-Technologie belohnt, die deutlich ausgereifter wirkt. Meckern könnte ich natürlich über die immer noch unterirdische Ingame-Kantenglättung oder den zu niedrigen Anspruch, aber das wissen Telltale-Fans wie Telltale-Verächter auch so schon lange genug.

GBase-Gesamtwertung: 7.5

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Batman: The Enemy Within: The Telltale Series Facts

  • GenreAction: Adventure
  • Release8. August 2017
  • EntwicklerTelltale Games
  • USKFreigegeben ab 16 Jahren
  • PEGI18+
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