Telltales Guardians of the Galaxy PC

Telltales Guardians of the Galaxy: Special

Mit Guardians of the Galaxy hat sich Telltale Games seine erste Marvel-Lizenz gesichert. Die Science-Fiction-Thematik ist hingegen kein Neuland für die Spieleschmiede, hat sie doch bereits mit Tales from the Borderlands bewiesen, dass sie das Zeug dazu hat. Wir testen das Superhelden-Episodenspiel nach und nach in diesem Special.

Episode 1: Tangled Up in Blue

Wer die Comicreihe oder die Kinofilme kennt, weiß, dass Guardians of the Galaxy über einen besonderen humoristischen Flair verfügt. Die Heldentruppe besteht aus dem selbstverliebten Schönling Star-Lord, der ehemaligen Killerin Gamora, dem rachsüchtigen Krieger Drax, dem technikaffinen Waschbär Rocket und dem stämmigen Baumwesen Groot. Noch mehr als etwa die Avengers schweißt die Guardians eine Hassliebe und ein tiefer Zynismus zusammen, was häufig zu neckischen Diskussionen führt – und Lachern beim Publikum.

In der ersten Episode von Telltales neuestem Projekt geht es direkt gegen einen der wohl mächtigsten Superschurken des Marvel-Universums ins Gefecht: Thanos. Der über zahlreiche Superkräfte verfügende Hüne ist hinter einem Artefakt her, mit dem er sicher nichts zum intergalaktischen Frieden beitragen möchte. Nebenbei bekommen es die Guardians mit einer als ausgestorben geltenden Alien-Rasse zu tun, die auf Rache aus ist.

Erfreulich ist die für Telltale-Spiele untypisch hohe Gameplay-Vielfalt. Nein, liebe Leser, erwartet bitte keine Revolution. Doch tatsächlich hat Episode 1 mehr spielerische Abwechslung zu bieten, als etwa die aktuelle dritte Staffel von The Walking Dead (GBase-Test). So bringen die Akimbo-Wummen und die Raketenstiefel von Star-Lord eine neue Ebene ins Spiel. Erstere in den toll choreografierten Kämpfen, da über die Maustasten eben zwei Ziele gleichzeitig beschossen werden können. Und die Stiefel erweitern die Erkundung von Arealen um die Vertikale, können doch mühelos höher gelegene Gebiete erreicht werden. Darüber hinaus steht gelegentlich ein Funkgerät zur Verfügung, mit dem wir vorgegebene Dialoge mit anderen Teammitgliedern führen dürfen. Und mit dem Zeit-Gadget können gar frühere Ereignisse an einem Ort holografisch nachgestellt werden, um das eine oder andere (simple) Rätsel zu lösen.

Technisch dürfte Guardians of the Galaxy der bisher modernste Titel von Telltale Games sein. Die Charaktere sind toll modelliert, plastisch texturiert und wie gewohnt exzellent vertont worden. Die futuristischen Umgebungen stehen dem in Sachen Ausleuchtung und Texturierung in nichts nach. Lediglich die erneut ineffiziente Ingame-Blurfilter-Kantenglättung und die eine oder andere unverständliche Ruckeleinlage trüben den Eindruck etwas.

https://www.youtube.com/watch?v=L-PN5KA8dBg

Fazit von Daniel Boll (PC)

Während mir die erste Hälfte der rund 100-minütigen Episode 1 aufgrund des Gag-Feuerwerks und der spektakulären Kämpfe sehr gut gefiel, ließ die Motivation in der zweiten Hälfte leicht nach. Die Handlung ist dort zu dialoglastig, obschon Gespräche, Entscheidungen und Hintergrunddetails zu den Helden wie gewohnt interessant sind. Letztlich lässt sich durchaus das Potenzial erkennen, dass Guardians of the Galaxy ein ähnlich unterhaltsames Werk werden könnte, wie das großartige Tales from the Borderlands. Die Grundzutaten sind vorhanden. Nun liegt es am Entwickler, das Fünf-Gänge-Menü nicht zu versalzen.

GBase-Episodenwertung: 7.5

Episode 2: Under Pressure

Dass unser Test zur zweiten Episode von Telltales Guardians of the Galaxy so spät erschienen ist, lag leider nicht in unserer Hand. Der Hersteller sandte damals wie gewohnt einen Steam-Key fürs Spiel, der diesmal aber nicht mehr für die komplette Staffel gültig war, sondern nur fürs erste Kapitel. Telltale Games reagierte dann auf Anfragen unsererseits nicht – erst eine deutsche Pressestelle konnte uns kürzlich verspätet einen Staffel-Key nachreichen.

Under Pressure handelt einerseits von dem Versuch Nebulas, Thanos' Leichnam zu entwenden, und andererseits von einem Rückblick in Rockets Vergangenheit. Dank "Eternity Forge" (und dem guten Willen unsererseits) werden wir in eine Zeit versetzt, in der der Superheld gemeinsam mit seinem Schwarm Lylla in einem Labor gefangen gehalten wurde und eine Flucht plante. Auch das mächtige Artefakt an sich wird in der neuen Episode natürlich näher beleuchtet, wobei es im Verlauf zu weiteren Spannungen zwischen Gamora und ihrer Schwester Nebula kommt.

Spielerisch gibt es ein paar kleine Neuerungen, darunter Quick-Time-Events der frischeren Art, aber auch (sehr simple, Railshooter-artige) Weltraumballereien und eine ziemlich cool gemachte Actionsequenz in temporärer Schwerelosigkeit. Gut gefallen haben uns auch wieder die Zeit- bzw. Ermittlungsrätsel, von denen es gerne mehr geben könnte. Technisch fiel das zweite Kapitel vor allem wieder mit einigen unverständlichen Rucklern auf, die Telltale Games offenbar noch immer nicht vollständig im Griff hat.

https://www.youtube.com/watch?v=Zzww06SYxRE

Fazit von Daniel Boll (PC)

Under Pressure bewegt sich mit rund 90 Minuten Spieldauer im gewohnten Rahmen, kann jedoch in der zweiten Hälfte mit ein paar spielerischen Neuerungen Akzente setzen. Rockets tragische Vergangenheit zeigt eine andere, verletzliche Seite des Superhelden – und je nach Dialog-Entscheidungen auch des Spielers. Die neuen Weltraumgefechte sind eine gute Idee und passen ins Setting, wirken aber durch ihre Einfachheit fast schon unfreiwillig komisch.

GBase-Episodenwertung: 7.5

Episode 3: More Than a Feeling

Im erneut rund 90-minütigen neuen Kapitel treffen die Guardians auf die Empathin Mantis, die mit ihren kognitiven Fähigkeiten für einige amüsante Situationen sorgt. Gleichzeitig ist sie in der Lage, die Helden in eine interaktive Variante ihrer Vergangenheit zurückzuversetzen – sie fungiert nämlich als eine Art Medium für den Eternity Forge. Im Verlauf erlangen wir daher neues Hintergrundwissen über die Beziehung zwischen Gamora und Nebula, aber auch Mobbing-Erlebnisse aus der Kindheit von Star-Lord. Wie genau die Erinnerungen verlaufen, können wir natürlich wieder mit Entscheidungen beeinflussen.

Während die erste Hälfte von Episode 3 mit rasanten Actionszenen und viel Humor überzeugt, geht der zweiten Hälfte zeitweise die Luft aus. Vor allem die eigentlich auflockernden Rätsel und Ermittlungen nerven wegen der störrischen Kamera und mangelhaften Umgebungsübersicht. Technisch fallen diesmal besonders viele Schauplätze mit störendem Kantengeflimmere auf – wir wiederholen gerne, dass die Ingame-Kantenglättung unbrauchbar ist und dringend durch eine effektivere Lösung ersetzt werden sollte.

https://www.youtube.com/watch?v=ZIhlu8ulqvE

Fazit von Daniel Boll (PC)

Der eigentliche Star von "More Than a Feeling" ist zweifelsohne die naiv-emotionale Mantis, die interessante und witzige Einblicke ins wahre Wesen der Guardians ermöglicht. Wer sich schon immer fragte, ob Rocket Grots mehrdeutigen Spruch "I am Grot!" richtig übersetzt, erhält in dieser Episode die Antwort. Amüsant hin oder her: Inhaltlich und technisch wird gewohnte Kost geboten, was angesichts schon langer mitgeschleppter Kritikpunkte schade ist.

GBase-Episodenwertung: 7.5

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Telltales Guardians of the Galaxy Facts

  • GenreAction: Adventure
  • Release18. April 2017
  • EntwicklerTelltale Games
  • USKFreigegeben ab 12 Jahren
  • PEGI16+
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