Die Säulen der Erde PC

Die Säulen der Erde: Special

Das Hamburger Unternehmen Daedalic Entertainment traut sich an die Versoftung von Ken Folletts Bestseller-Roman Die Säulen der Erde. Insgesamt drei Episoden sind geplant, die wir im Test-Special nach und nach auf den Prüfstand stellen werden.

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Daedalics Säulen-der-Erde-Umsetzung hält sich ausdrücklich nicht 1:1 an die Buchvorlage. Vielmehr handelt es sich um eine Adaption, die in manchen Punkten vom Original abweicht, was auch der nicht linearen Erzählweise geschuldet ist. Da dies allerdings unter anderem auf der Steam-Produktseite auch so beworben wird, wissen Kenner des Romans schon vor dem Erwerb Bescheid.

Buch 1: Aus der Asche

Im Prolog und in Kapitel 1 hält sich der "interaktive Roman", wie Daedalic es bezeichnet, ziemlich genau an die Vorlage. Wir werden nicht nur Zeuge der Geburt des Sohnes von Tom und Agnes Builder mitten im Wald, sondern müssen die in schweren Wehen liegende und stark blutende Mutter als Ehemann tatkräftig unterstützen – über teils zeitkritische Dialoge mit Mehrfachauswahl sowie Anweisungen an die beiden anderen Kinder Martha und Alfred. Später schlüpfen wir dann abwechselnd in die Rollen des Priors Philip, aber auch des Vogelfreien Jack, der mit seiner Mutter Ellen in einer Höhle im Wald lebt und bald auf die Builders trifft. Die sieben Kapitel, die Buch 1 umfasst, drehen sich primär um die Kathedrale in Kingsbridge, deren gut gemeinte Sabotage, die Wahl eines neuen Priors sowie politische Verstrickungen und Intrigen im Rahmen eines anstehenden Krieges um den Thron.

Durch häufig wählbare moralische Entscheidungen beeinflussen wir im Spielverlauf die weitere Geschichte. Mehr noch, als es manch einer von Telltales Abenteuern gewohnt sein dürfte. Anders als im Roman haben wir beispielsweise als Philip die Wahl, ob wir für seinen Bruder Francis folgenschwere Hinweise auf eine Verschwörung gegen den König an Waleran Bigod, den Bischof von Shiring, überbringen. Und auch, ob wir Francis' Namen seinem Wunsch gemäß unerwähnt lassen oder ihn doch nennen. Nicht minder schwierig wird es bei der Frage, ob wir Bigods Machtspielchen folgen oder uns gegen ihn stellen, um wie im Buch einen lukrativen Ressourcen-Deal für Kingsbridge herauszuholen. Oder ob wir Kriegsflüchtlinge, für deren Leid wir womöglich eine Mitverantwortung tragen, vor Kingsbridge abweisen oder ihnen Zuflucht gewähren. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, kann das auf künftige Ereignisse große Auswirkungen haben.

Die Säulen der Erde Screenshot

Natürlich besteht Buch 1 nicht nur aus puren Dialogen. Zwischendurch erkunden wir in klassischer Adventure-Manier die glaubwürdig wirkenden Schauplätze wie Kingsbridge und Winchester. Wer hier allerdings knallharte Rätselnüsse erwartet, ist an der falschen Adresse. Zwar gilt es das eine oder andere Objekträtsel zu lösen, doch kommen halbwegs erfahrene Genrefans bei keinem einzigen davon annähernd ins Schwitzen. Trotzdem lohnt es sich, sich alles ganz genau anzuschauen, kann man auf diese Weise doch optionale Aufgaben absolvieren, die am Ende eines Kapitels in einer stichpunktartigen Zusammenfassung angezeigt werden und sich im späteren Verlauf als nützlich erweisen können – etwa als zusätzliche Auswahloption in Gesprächen. Es empfiehlt sich generell, sehr gut hinzuhören, offenbaren sich doch in Nebensätzen manchmal wertvolle Hinweise. Die Info, dass ein bestimmter Charakter wütend wird, wenn man ihn ignoriert, kann an anderer Stelle nutzbringend sein.

Lady Aliena, der aggressive William Hamleigh und andere bekannte Charaktere sind natürlich ebenfalls vertreten, wenn auch (noch) nicht in spielbarer Form. Zwar nimmt die Versoftung an vielen Stellen kein Blatt vor den Mund und gibt die Grausamkeit von Folletts Erzählung authentisch wieder. Manch ein verstörendes Detail aus der Vorlage wird jedoch nicht oder nur indirekt berücksichtigt – darunter eine Vergewaltigungsszene.

Technisch bietet Daedalics Adaption handgezeichnete Hintergründe, einen seriösen Zeichenstrickstil und sichtbar mit der Umgebung und Objekten interagierende Charaktere, die zudem über eine exzellente und fast lippensynchrone deutsche Sprachausgabe verfügen. In der Hinsicht gibt es nicht viel zu meckern. Die eine oder andere störende Dialogpause und der Umstand, dass einmal ausgelöste Aktionen (etwa Wegstrecken zu einem angeklickten Gegenstand) nicht mehr abgebrochen werden können, wären jedoch verbesserungswürdig.

Die Säulen der Erde Screenshot

Fazit von Daniel Boll (PC)

Ich las sowohl Die Säulen der Erde als auch den Nachfolger Die Tore der Welt und war beide Male von der detaillierten und schonungslosen Erzählung Folletts begeistert. Die mehrteilige Verfilmung fand ich enttäuschend, da sie wichtige Handlungsstränge und Charaktere aus der Vorlage außer Acht ließ bzw. alternative Versionen bot. Umso mehr freut mich, dass Daedalics Buch 1 zugleich dem Original treu bleibt und durch die nicht lineare Struktur eine Möglichkeit bietet, interaktiv in die Geschichte einzugreifen. Und zwar immer so, dass man die Auswirkungen vorheriger Entscheidungen spürt und trotzdem nicht das Gefühl hat, dass sich das Spiel in irgendeiner Form vom Stil des Romans abgrenzt. Daher fühlte ich mich in den rund viereinhalb Stunden gut unterhalten.

Ich würde mir noch ein paar zusätzliche Komfortfunktionen bei der Steuerung wünschen, etwa stets abbrechbare Aktionsphasen. Außerdem wären knackigere Rätsel schön. Unterm Strich kann ich Buch 1 jedoch jedem, der Die Säulen der Erde gelesen hat, ans Herz legen. Alle anderen laufen wahrscheinlich Gefahr, sich aufgrund des niedrigen Schwierigkeitsgrades und des fehlenden Hintergrundwissens zu langweilen.

GBase-Episodenwertung: 7.5

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Die Säulen der Erde Facts

  • GenreAdventure und Rollenspiel: Adventure
  • Release15. August 2017
  • KaufenAmazon
  • EntwicklerDaedalic Entertainment
  • USKFreigegeben ab 12 Jahren
  • PEGI16+
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