A Plague Tale: Innocence PC

A Plague Tale: Innocence: Review

In A Plague Tale: Innocence begleiten wir zwei Kinder, die sich im Mittelalter allein mit tödlichen Bedrohungen wie der Inquisition oder der Pest auseinandersetzen müssen. Was wir von Asobo Studios intensivem Action-Adventure halten, zeigen wir euch im Test.

Die heile Welt ...

Unser Abenteuer beginnt in Frankreich in der Mitte des 14. Jahrhunderts. In der Sequenz lernen wir die junge Amicia de Rune und ihren Vater Robert kennen, die zusammen im Wald unterwegs sind. Das Spiel heißt uns mit einem stimmungsvoll inszenierten Herbstwald willkommen, durch dessen Äste die Sonnenstrahlen fallen, die die Umgebung in ein goldenes Licht tauchen. Hier ahnen wir noch nichts von der Dunkelheit und Grausamkeit, die uns im späteren Verlauf des Action-Adventures erwarten. Auch die sanften, authentischen mittelalterlichen Lautenklänge, die perfekt zum Setting des Einführungskapitels passen, unterstreichen die weitestgehend heile Welt, die zu diesem Zeitpunkt noch vorherrscht. Wir erfahren einige Details über das Leben der Familie, unter anderem, dass Amicias Mutter mit der Pflege ihres oftmals kränklichen kleinen Bruders Hugo beschäftigt ist. Im Rahmen kleiner Aufgaben machen wir uns mit der grundlegenden Steuerung vertraut und lernen etwa, wie wir Amicias Steinschleuder verwenden, Hindernisse beim Laufen überwinden oder uns unauffällig durch hohes Gras bewegen. Die Steuerung geht dabei sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit dem Controller gut von der Hand. Gerade der Umgang mit der Steinschleuder, die genauer wird, wenn wir die rechte Maustaste etwas länger gedrückt halten, überzeugt.

... ist nur von sehr kurzer Dauer

Die Stimmung des Titels kippt schon kurze Zeit später, als wir allein mit Amicia und Familienhund Leon im Wald unterwegs sind, um ein Wildschwein zu jagen. Die Umgebung wirkt sofort deutlich bedrohlicher, und der goldene Lichteinfall ist plötzlich verschwunden. Die unheilvolle Musik lässt ebenfalls nichts Gutes erahnen, als das Bellen des Hundes in der Ferne plötzlich verstummt. Als wir ihn schließlich finden, ragt er schwer verletzt aus einer seltsamen Öffnung im Boden, in der er kurz darauf vollends verschwindet. Wer oder was hinter dem Angriff steckt, ist zunächst unklar. Zurück in der Heimat häufen sich Gerüchte über Vampire, die einige Dorfbewohner gebissen haben sollen. Auch die Pest ist ein allgegenwärtiges Thema in den Gesprächen, die wir im Vorbeigehen aufschnappen.

Die Stimmung wird nicht besser, als wir Amicias Mutter auf dem Anwesen begegnen, die uns auffordert, das Haus zusammen mit Amicias Bruder nicht zu verlassen und die Läden zu schließen, während draußen offenbar merkwürdige Dinge vorgehen. Aus Hugos Zimmer heraus beobachtet Amicia, wie ihr Vater im Hof von einem maskierten Angreifer der Inquisition getötet wird. Dieser sucht, zusammen mit seinen Gefolgsleuten, offenbar nach dem jungen Hugo und gibt Befehl, das Haus zu durchsuchen.

Gemeinsam sind sie stark

Während der Flucht der beiden Kinder durch das Haus führt das Spiel bekannte Stealth-Mechaniken ein. So verstecken wir uns hinter Tischen, Stühlen sowie Zäunen und warten, bis die Feinde sich umdrehen oder den Raum verlassen. Wir haben außerdem die Möglichkeit, mit Steinen auf metallische Gegenstände zu werfen oder Tontöpfe auf dem Boden zu zerschmettern, um damit für Ablenkung zu sorgen. Wir lernen außerdem, dass beide Kinder über einzigartige Fähigkeiten verfügen. So ist Hugo beispielsweise in der Lage, durch schmale Öffnungen zu kriechen, um verschlossene Türen zu öffnen. Da Hugo deutlich langsamer läuft als seine Schwester, ist es in manchen Situationen zu gefährlich, ihn an der Hand zu führen. Daher können wir ihn bei Bedarf an einem sicheren Ort warten lassen, um allein mit Amicia loszuziehen und auf diese Weise für Ablenkung zu sorgen. Ist die Gefahr gebannt, können wir den kleinen Bruder wieder zu uns rufen. Auch die Umgebung steht den Kindern als Hilfsmittel zu Verfügung. So ist es zum Beispiel möglich, größere Kisten und Karren zu schieben, um auf zuvor unerreichbare Ebenen zu gelangen.

Allein gegen übermächtige Gegner

Mithilfe ihrer Mutter gelingt den beiden Kindern die Flucht vom riesigen Anwesen der Familie. Als die drei das rettende Tor erreichen, bleibt die Mama jedoch zurück, um einen weiteren Verfolger aufzuhalten, der sie kurz darauf tötet. Von diesem Moment an sind die beiden Kinder auf sich allein gestellt und müssen in einer Welt, in der es vor Gefahren nur so wimmelt, überleben, indem sie zusammenhalten und ihre Fähigkeiten geschickt einsetzen. Neben der Inquisition ist die Pest, die sich immer weiter ausbreitet, ein ständiger unheilvoller Begleiter. Das Action-Adventure schafft es von Beginn an, mit einer äußerst intensiven Atmosphäre zu überzeugen. Nicht nur die nervenaufreibende Flucht der Kinder vor der Inquisition sorgt für Gänsehaut, auch die Präsenz der tödlichen Krankheit ist wirklich erdrückend. So kreiert die Tatsache, dass die Dörfer zum Großteil verlassen sind und dass sich die Menschen in ihren Häusern verbarrikadieren, ein stetiges Unbehagen.

Außerdem ist es die Hilflosigkeit der Kinder, die die Stimmung noch eindringlicher macht. Alle Feinde, ganz gleich, ob es um die Ritter der Inquisition, um wütende Dorfbewohner oder um die unzähligen Ratten geht, sind übermächtig und von den Geschwistern quasi nicht zu besiegen. Daher bleibt uns keine andere Wahl, als uns zu verstecken, wegzulaufen oder die Gegner auszutricksen. Dennoch müssen wir mit der ständigen Gewissheit leben, dass jede Fehlentscheidung oder jede falsch gewählte Abzweigung den Tod bedeuten kann. Da sich eine direkte Konfrontation allerdings nicht immer vermeiden lässt, warten hier und da spannende Kampfszenen auf uns, in denen wir geschickt ausweichen und unsere begrenzten Mittel im richtigen Moment einsetzen müssen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die im Verlauf der Geschichte immer wieder Höhen und Tiefen durchläuft, ist ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt.

Stets gut vorbereitet

In der Spielwelt finden wir verschiedene nützliche Dinge, die wir unbedingt einsammeln sollten. Hierzu gehören Materialien wie Leder, Schwefel und Alkohol oder auch Hilfsmittel wie Werkzeuge und Seile. Finden wir eine Werkbank, haben wir die Chance, die gesammelten Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Wir können beispielsweise die Effektivität oder die Nachladedauer der Steinschleuder verbessern und unsere Taschen um zusätzlichen Stauraum erweitern. Außerdem lässt sich unsere Kleidung aufwerten, wodurch wir uns noch leiser und unauffälliger bewegen können. Ein weiteres wichtiges Sammelobjekt sind Holzstöcke. Entdecken wir sie, sollten wir sie stets an uns nehmen und nach einem Feuer oder einer Fackel in der Nähe Ausschau halten. Feuer ist schließlich das einzige Mittel, mit dem wir uns die Scharen von Ratten und damit die Pest vom Leib halten können.

Stimmungsvolle Schauplätze

Grafisch kann A Plague Tale: Innocence weitestgehend überzeugen. Spiegelungen im Wasser sowie der Einsatz von Licht und Schatten sehen glaubhaft aus, und auch die Darstellung der Natur und der darin lebenden Tiere ist sehr ordentlich. Gerade Materialien wie der Stoff der Kleidung oder das Holz, aus dem Türen und Möbel bestehen, glänzen mit realistischen Strukturen. Punktabzüge gibt es in erster Linie bei der Darstellung der Figuren. Auch wenn es die Gesichter schaffen, Emotionen im Großen und Ganzen zu transportieren, kleben die Haare häufig nur am Kopf. Lediglich Amicias geflochtene Pferdeschweif-Frisur bewegt sich hier glaubhaft. Die Bewegung der Figuren an sich kann nicht vollends überzeugen und wirkt oftmals ein wenig steif.

Was uns ebenfalls nicht ganz überzeugen konnte, ist das Verhalten der Ratten. Diese wirken als Ganzes betrachtet definitiv einschüchternd und überwältigend, wenn sie als riesiger Schwarm auf uns zustürmen. Schaut man genauer hin, bewegen sich die Tiere aber wirklich seltsam und sehen alles andere als realistisch aus. Obwohl die Ratten hier in erster Linie symbolisch zu verstehen sind, haben uns die fast wellenartigen Bewegungsmuster etwas gestört.

Fazit von Daniel Walter (PC)

Als Verfechter klassischer Singleplayer-Erlebnisse, die es schaffen, mich in einer linearen, nicht offenen Spielwelt einfach nur mit ihrer Geschichte und ihrer Atmosphäre zu fesseln, war ich von A Plague Tale: Innocence ab der ersten Spielminute angetan. Die Geschichte der beiden Geschwister ist packend, intensiv und äußerst emotional, sodass es mir schwerfiel, den PC wieder auszuschalten.

Überzeugen konnten aber nicht nur die Atmosphäre und die Inszenierung der Geschichte, sondern auch das überraschend abwechslungsreiche Gameplay. So renne ich in der einen Sekunde noch vor übermächtig erscheinenden Gegnern weg und stehe ihnen kurz darauf im packenden Zweikampf gegenüber. Im einen Moment verstecke ich mich vor Feinden und versuche, sie geschickt zu umgehen, während ich wenige Augenblicke danach in einem riesigen Rattenschwarm stehe, der mich zu verschlingen droht. Grafisch schafft es der Titel ebenso, zu großen Teilen zu überzeugen, auch wenn die Bewegung der Charaktere und das Verhalten der Ratten hier und da ausbaufähig sind. Abgerundet wird das intensive Erlebnis durch einen grandiosen Soundtrack, der in den richtigen Momenten laut und leise ist und die gezeigten Szenen perfekt umrahmt.

Wer eine Alternative zu allgegenwärtigen Service-Games und Open-World-Monstern sucht, wird an diesem hervorragend umgesetzten Titel definitiv seine Freude haben, obschon fröhliche Momente zugegebenermaßen rar gesät sind.

Pro
  • Eindringliche Atmosphäre
  • Abwechslungsreiches Gameplay
  • Intensive Geschichte
  • Individuelle Fähigkeiten der Kinder
  • Gefühl der Hilflosigkeit
Contra
  • Etwas steife Bewegungen der Charaktere
  • Charakterfrisuren kleben meist am Kopf
  • Unnatürliche Bewegungen der Ratten
Gesamtwertung
  • Abwechslung Sehr Gut
  • Atmosphäre Gut
  • Bedienung Gut
  • Langzeitmotivation Gut
  • Herausforderung Gut
  • Spieldauer Befriedigend
  • Multiplayer nicht verfügbar
  • Preis/Leistung Gut
9.0
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