Blitzkrieg 3 PC

Blitzkrieg 3: Review

Das Genre der Echtzeitstrategietitel ist umkämpft, und es muss einiges geboten werden, um die Community zu begeistern. Nival Interactive versucht sich mit Blitzkrieg 3 ein Stück vom Kuchen zu sichern. Mit Erfolg?

Zu Beginn des Spiels fällt durchaus auf, dass Nival Interactive einen MMO-RTS-Titel produzieren wollte. Die Karte, die im Prinzip als Hauptmenü und Spielbrett gleichzeitig dient, ist stimmig. Die eigene Basis, verschiedene Neben-Quests, die Storyline sowie PvP und PvE-Matches lassen sich von hier starten. Diese Übersicht weiß zu gefallen, ist jedoch neu für Blitzkrieg-Einsteiger, und es bedarf eines Augenblicks, um zu verstehen, dass das Spiel von dieser Karte in seine Elemente unterteilt wird. Hierüber kann man zum Beispiel direkt an der Verteidigung der eigenen Basis mitwirken, wenn ein anderer Spieler diese angreift. Ist man mit den Grundregeln des RTS vertraut, gelingt der Einstieg problemlos und man findet sich schnell am nächsten Kriegsschauplatz in Europa wieder. Die ersten Soldaten in Angriffsstellung befehligend, fällt sehr schnell der erste Kritikpunkt des Spiels auf. Da eben RTS-Titel wie alle anderen Games auch mit ihren Genrekollegen konkurrieren, muss hier ein Vergleich zu Company of Heroes gezogen werden. Das fehlende Mikromanagement lässt also den ersten Angriffstrupp auf dem Feld Platz nehmen, und das feindliche MG-Feuer löst die Situation zur vollsten Zufriedenheit der CPU. Das nicht vorhandene Deckungssystem und die Notwendigkeit, Truppen per Klick hinlegen zu müssen, erschweren auch für geübte Spieler die Vorgehensweise. Kurz darauf, jetzt deutlich besonnener, treibt man die Truppe gesichert durch das Feld, und ein passabler Spielverlauf kommt zustande. Dass an vielen Stellen durchweg auf Infanterie verzichtet werden kann, man mit einer Speerspitze Panzer einfach direkt auf das Ziel fährt und sich mehr oder minder eingräbt, lässt Veteranen sicherlich stöhnen. Dies kommt dem Gelegenheitsspieler aber durchaus zugute.

Ansonsten führt einen die Kampagne durch grundlegend bekannte Schlachten des Zweiten Weltkrieges und versucht sich an historischer Korrektheit. Direkt zu Beginn wählt man eine von drei Fraktionen (Achsenmächte, Alliierte, Sowjetunion) und muss das Tutorial abschließen. Daraufhin gelangt man auf die oben genannte Karte. Im Fall der Achsenmächte besteht die Eingangsmission aus dem deutschen False-Flag-Überfall auf den Radiosender Gleiwitz. Im Zuge der Storyline wechselt man zwischen drei Epochen, die eine Besonderheit des Spiels darstellen. So hat man etwa zu Beginn des Krieges eben nur die Panzer und Fahrzeuge zur Auswahl, die bis zu diesem Zeitpunkt tatsächlich entwickelt waren. Schwere Panzer wie der berüchtigte Panther oder Tiger stehen erst nach dem Epochenwechsel zur Verfügung.

Vor dem Start eines Gefechts kann man einen historischen Kommandanten auswählen, der mit den Partien an Erfahrung gewinnt. Auch die eigenen Einheiten sammeln Kampferfahrung, und da diese mitgenommen werden, also im nächsten Gefecht wieder aufgestellt werden können, werden sie mit der Zeit effektiver. Die Runde beginnt immer mit dem zuvor gewählten Kommandanten, der gewisse Boni mit sich bringt, und den vorher ausgewählten Starttruppen. Durch Verstärkungspunkte, welche die eigentliche Ressource darstellen, kann man Nachschub auf das Feld beordern. Da man mit der Zeit und zunehmenden gelösten Aufgaben immer mehr Beute erhält, in der eben diese Fahrzeuge enthalten sind, setzt sich nach einer Weile das oben genannte Panzer-Rushen durch und man überrollt den Gegner mehr oder weniger einfach. Die Taktik fällt dabei zunehmend in den Hintergrund, was Veteranen durchaus zu bemängeln wissen.

Leider ist es in Blitzkrieg 3 nicht möglich, im Gefecht eine Basis zu errichten. Man kann über die Hauptkarte eine eigene Map aufrufen, auf der man ein Hauptgebäude besitzt, welches man gegen Angriffe anderer Spieler absichern muss. Dies gestaltet sich in etwa wie eine Tower-Defense-Situation. Schon bei Company of Heroes 1 und 2 ist der Basisbau auf ein Minimum reduziert, vergleicht man die Gebäudeanzahl etwa mit StarCraft. Der komplette Wegfall ist jedoch ein Mangel von Blitzkrieg 3.

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Im Gefecht selbst spielt sich Blitzkrieg 3 stimmig, so sind Panzerungen und Waffeneffektivität gegen bestimmte Ziele gut umgesetzt und laden zu Truppenvariation ein. Beim KI-Gefecht gegen die angepriesene Neuro-KI Boris kommt man auf seine Kosten. Sicher ist: Boris spielt, verglichen mit den ESL-Veteranen von Company of Heroes, nicht wie ein Profi. Jedoch macht es Spaß und stellt dem Spieler die eine oder andere lösbare Aufgabe. Dass die KI in diesem Fall wie ein Spieler agiert, wurde von Nival mehrfach betont. Die KI kann keine Möglichkeiten nutzen, die der Spieler nicht hat. Es ist im Gefecht mit Boris möglich, einen Hinterhalt zu legen oder einen Überraschungsangriff zu starten, ohne dass dieser schon etwaige Gegenmaßnahmen ergriffen hat.

Grafisch ist Blitzkrieg 3 etwas überholt, vor allem im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Jedoch lassen sich Panzer, Objekte und Soldaten sehen, was an den Blitzkrieg-typischen Charme anknüpft. Die Landschaften sind gut in Szene gesetzt, und die Effekte wirken stimmig. Auch der Sound überzeugt: Panzerabschüsse, Motorengeräusche und Explosionen wirken authentisch. Leider sind die Geräusche der Infanterie und der dazugehörigen Waffen eher flach und wirken zu spielerisch.

Test und Fazit von Karsten Grenzel (PC)
Im Kern ein schönes, wenn auch mit deutlichen Schwächen gekennzeichnetes RTS-Spiel, hängt Blitzkrieg 3 einem Company of Heroes etwas nach. Verglichen mit Men of War: Assault Squad 2, welches ein fast übertriebenes Mikro- und Makromanagement voraussetzt, kann es sich im Durchschnitt schon sehen lassen. Es fehlen wichtige Kernelemente wie das Deckungssystem und der Basisbau, jedoch punktet man mit einer sehr guten Kampagne, die sich auch aus historischer Sicht nicht verstecken muss. Man setzt auf Altbewährtes wie große Schlachten und Eroberungen. Auch das Belohnungssystem mit dem Erhalt von Beute macht Spaß und regt dazu an, Schlachten zu wiederholen und auch gegen die KI Boris zu spielen, um weitere Panzer etc. freizuschalten. Alles in allem ist es durch die Kampagne ein ordentliches Strategiespiel, welches für einen gewissen Zeitraum Unterhaltung bietet. Auf lange Sicht kann es sich aber nicht gegen den Rivalen von Relic durchsetzen.

Pro
  • Historische Kampagne
  • Variation der Kriegsschauplätze
  • Nette Optik
  • Quests & Beute
  • Viele verschiedene Einheiten
Contra
  • Fehlende taktische Tiefe
  • Teils umständliche Menüführung
  • Fehlende oder überflüssige Features
Gesamtwertung
  • Abwechslung Gut
  • Atmosphäre Gut
  • Bedienung Ausreichend
  • Langzeitmotivation Befriedigend
  • Herausforderung Befriedigend
  • Spieldauer Ausreichend
  • Multiplayer Ausreichend
  • Preis/Leistung Befriedigend
7.0

Blitzkrieg 3 Facts

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