Vikings - Wolves of Midgard PC PS4 ONE

Vikings - Wolves of Midgard: Preview

Brace yourself, winter is coming. Zumindest in Midgard. Kalypso Media gewährte uns einen Einblick in ihr neuestes Spiel Vikings: Wolves of Midgard. Ob es sich dabei um einen beinharten Wikingertitel handelt oder doch nur um eine Kuschelpartie für Süßwasserpiraten, haben wir für euch herausgefunden.

Wo die wilden Wikinger wohnen

Wenn die Götter selbst Krieg führen und die Riesen aus den Tiefen der Erde das ewige Eis an die Küsten Midgards treiben, dann beginnt Ragnarök, der Untergang der Welt. Doch wie in jeder Geschichte gibt es auch in dieser eine Kraft, die es vermag, sich dem Bösen entgegenzustellen und zu besiegen. In Vikings: Wolves of Midgard ist es die Kraft der Hohlbirnen. Die Kraft eben jener Menschen, die selbst zu blöd sind, um zu verstehen, dass ihre Welt zu Ende geht, und die es nicht schaffen, auch nur zwei zusammenhängende Sätze zu sprechen, geschweige denn ein Gespräch zu führen. In Wolves of Midgard, ihr ahnt es schon, sind wir eben jene Person. Und das soll diesem Spiel noch zum Verhängnis werden.

Doch fangen wir von vorne an. Vikings wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Hack-'n'-Slay-Rollenspiel mit Top-down-Perspektive à la Diablo III in der Welt der Wikinger. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zu Beginn erstellen wir uns in gewohnter Manier einen Charakter. Wir entscheiden, ob wir einen Krieger oder eine Schildmaid spielen wollen (also Männlein oder Weiblein), frisieren unsere Haare, und wenn wir einen ganz wilden Tag haben, tätowieren wir uns sogar. Anschließend wählen wir eine Klasse. Diese heißen hier nicht etwa wie gewohnt "Magier", "Krieger" oder "Schurke", sondern zeichnen sich durch die Anhängerschaft eines von insgesamt fünf Göttern aus. So führen wir als AnhängerIn Lokis, dem Gott der List und Intrigen, beispielsweise zwei Einhandwaffen, während wir als Gefolgschaft Skathis, der Göttin der Jagd, dem Bogen den Vorzug geben. Insgesamt gibt es somit fünf Waffenstile: Einhandwaffe mit Schild, zwei einhändige Waffen, Zweihandwaffen, Bögen und Stäbe. Letztere könnten im weitesten Sinne der Kampfmagie zugerechnet werden.


Nachdem wir noch schnell einen von vier Schwierigkeitsgraden und möglicherweise den optionalen Hardcore-Modus gewählt haben, geht es auch direkt los. Unser Dorf wird von Riesen angegriffen und wir müssen es vor der endgültigen Zerstörung bewahren. Zu Beginn stehen uns nur der Standardangriff und, je nach Waffenstil, eine Fähigkeit zur Verfügung. Während wir uns munter ins Getümmel stürzen und einen Gegner nach dem anderen erledigen, wird schnell klar, dass blindes Hineinrennen leicht unseren Tod bedeuten kann – anders als in den meisten Hack-'n'-Slay-Rollenspielen dieser Art. Denn während ein oder zwei Gegner kein Problem für uns darstellen, sind mehrere Widersacher durchaus gefährlich, da diese bereits auf dem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad einigen Schaden austeilen.

Um im Kampf zu überleben, gibt uns das Spiel drei Mechaniken an die Hand. Die Erste ist eine Ausweichrolle, welche uns jedes Mal ein wenig Ausdauer kostet. Als Zweite gibt es die klassischen Heiltränke in Form eines Amuletts mit mehreren Aufladungen und auch passiven Boni. Im Laufe des Spiels können wir davon noch bessere finden. Zu guter Letzt hinterlässt jeder Gegner mit seinem Ableben etwas Blut. Dieses ist sowohl Lebensspender als auch Währung zugleich. Denn sobald wir eine bestimmte Menge Blut gesammelt haben, können wir eben jenes den Göttern an einem Altar opfern und somit eine Stufe aufsteigen. Mit jedem Aufstieg erhalten wir zwei Fähigkeitspunkte, genannt "Gaben", mit denen wir sowohl passive als auch aktive Fertigkeiten freischalten können (von denen wir pro Waffen-Slot insgesamt fünf gleichzeitig verwenden können). Die Gaben sind an ihren jeweiligen Waffenstil gebunden, somit verläuft das Skillen recht monogam.

Die Wikinger und ihre Zweiklassengesellschaft

Das Kämpfen fühlt sich grundsätzlich sehr gut an, sowohl die Bewegungen als auch die Angriffe gehen gut von der Hand. Weniger geschmeidig sieht dafür das Kampfverhalten der GegnerInnen aus. Insbesondere große GegnerInnen mit einer niedrigen Angriffsfrequenz wie etwa die riesenhaften Jötunns wirken sehr starr, da sie sich zwischen ihren Attacken nicht/kaum bewegen (wenn sie nicht gerade laufen) und die Angriffsanimation generell sehr plötzlich einsetzt. Das Ganze wirkt dadurch sehr abgehackt. Ein weiteres Problem stellen die kleinen/normal großen GegnerInnen in Vikings dar. Diese sind nämlich die wahren Herausforderungen im Spiel. Ihre Angriffe sind so schnell und kurz, dass das Ausweichen für Nahkämpfer nicht effektiv ist, da nach Abschluss der Rolle die Feinde bereits wieder zum Angriff übergehen. Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als panisch im Kreis zu rennen und zu hoffen, so die Scharen an Wölfen, Goblins und Menschen zu separieren und einzeln zu erledigen. Denn sind wir erst einmal umzingelt, bedeutet das unseren sicheren Tod. Dadurch kann der Nahkampf, auf dem die meisten Klassen aufbauen, mitunter sehr frustrierend sein.

Beginnt man, die Klassen miteinander zu vergleichen, stellt man schnell ein großes Balancing-Problem fest, bei dem der/die BogenschützIn ganz klar als SiegerIn hervorgeht. Mit dem Bogen sind wir nämlich dazu in der Lage, die meisten GegnerInnen zu töten, ohne dass diese auch nur in unsere Nähe gelangen. Auch die Ausweichrolle kann viel effektiver genutzt werden, da wir diese nutzen können, um bequem aus der Reichweite der Feinde zu gelangen und dann munter weiterzuballern. Hit & Run eben. Dafür gibt es aber besonders zu Beginn einen ganz gewaltigen Nachteil. Im Gegensatz zu den anderen Klassen kann der/die BogenschützIn mit dem Standardangriff nämlich nur einen Gegner gleichzeitig treffen und somit keine Mehrfach-Kills erzielen. Diese sind aber besonders lukrativ, da sie eine große Menge an Bonusblut gewähren. So mussten wir feststellen, dass der/die BogenschützIn im Vergleich zu den anderen Klassen kurz vor Beendigung des ersten Levels nur 75 % des gesammelten Blutes hatte.

Vikings - Wolves of Midgard Bild

Etwas gleichmäßiger gestaltet sind hingegen die Level. Diese sind zwar sehr schlauchig, was gar nicht schlimm ist, haben aber immer hier und da eine Abzweigung, die das Ganze etwas auflockert. Des Weiteren sind sie abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden und laden dazu ein, die Gegend zu erkunden (und zu zerstören, was nicht niet- und nagelfest ist). Auch die Länge ist recht ausgewogen, immer irgendwo zwischen nicht zu lang und nicht zu kurz, und am Ende wartet stets ein Boss, der es mitunter echt in sich hat. Optisch macht das Spiel somit also durchaus was her. Akustisch hingegen nicht so. Die Musik ist eher fad und die deutsche Synchronisation mit ihrer Monotonie ein Gräuel. Besonders schlimm ist dabei die Synchronstimme des männlichen Protagonisten. Diese klingt nämlich durchgängig so, als wäre sie übersteuert worden, um "männlicher" zu klingen. Die Vertonung ist also insgesamt nicht sehr gelungen.

Und damit kommen wir wieder zum Anfang unseres Textes. Erinnert ihr euch, dass wir meinten, wir würden eine Hohlbirne spielen? Das ist leider unser bitterer Ernst. Der/die ProtagonistIn plappert pausenlos vor sich hin und versucht dabei krampfhaft lustig zu sein – ohne Erfolg. Noch schlimmer sind da nur die Dialoge. Während die alte weise Frau versucht, uns den Weg zu weisen und uns unser Schicksal zu offenbaren, hören wir gar nicht hin und antworten nur (sinngemäß): "Ist mir egal, ich will was töten ... AHU!" Und das jedes Mal. Davon einmal abgesehen, plätschert die fast nicht existente Story sowieso nur so vor sich hin. Von den Dorf-NSCs werden wir von einer Mission zur anderen geschickt, die vollkommen willkürlich wirken und selten einen echten Zusammenhang aufweisen. Letzten Endes können wir so viel zur Geschichte sagen: Es geht um irgendwas mit Riesen, Eindringlingen aus dem Süden, anderen Wikinger-Clans und den "lustigen" Hut eines Bischofs.

Ersteindruck von Jakob Gustavs (PC)

Vikings sieht schick aus, das erst mal vorweg. Und irgendwie macht es auch Spaß und wird nicht direkt langweilig. Aber so richtig fesseln konnte es mich auch nicht. Umso bedauerlicher ist es, dass sowohl die Klassen als auch das Kampfsystem so unausgewogen sind. Immerhin funktionieren dafür das Looten und Leveln (denn das muss drin sein in 'nem Spiel). Wirklich ärgerlich hingegen sind die Geschichte und vor allem die Charaktere. Selbst der Terminator hat bessere Dialoge geführt! Diese sind nämlich so unterirdisch, dass sogar Apored auf sie herabblicken kann. Ein letztes großes Pfui gibt es dann noch für die Gestaltung der Schildmaid. Die Kombination aus Barbieface und Ballontitten sieht so schäbig aus, dass ich beim ersten Anblick aus Reflex ALT + F4 gedrückt habe. Am 24. März erscheint das Spiel bei Steam und für die PS4 und Xbox One. Ob sich bis dahin an den Kritikpunkten noch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Lediglich KoopspielerInnen könnten für kurze Zeit etwas Spaß haben. Sie müssen während der Dialoge einfach nur besonders laut reden.

Vikings - Wolves of Midgard Facts

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