Meisterdetektiv Pikachu 3DS

Meisterdetektiv Pikachu: Review

Ein neuer Pokémon-Ableger hat seinen Weg auf den europäischen Markt geschafft. Nintendo hat sich weit von den Wurzeln der Serie entfernt und ein Detektivabenteuer mit Pikachu in der Hauptrolle geschaffen. Ob es sich lohnt, in diese ungewohnte Spielwelt einzutauchen, lest ihr in diesem Test.

Angehender Detektiv statt Trainer

Das Wichtigste zuerst: Wer ein Pokémon-Spiel ähnlich der Hauptreihe erwartet, wird bitter enttäuscht. Es gibt hier keine Top 4, keinen Pokédex zum Füllen und nicht einmal einen einzigen Pokémon-Kampf. Stattdessen geht es darum, in Kriminalfällen Hinweise zu sammeln, sie geschickt zu kombinieren und so den wahren Täter zu entlarven.

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In Meisterdetektiv Pikachu schlüpft ihr in die Rolle von Tim Goodman, der nach Rhyme City kommt, um nach seinem verschwundenen Vater Harry zu suchen. Sehr schnell stoßt ihr auf Harrys Partner-Pokémon Pikachu, seines Zeichens Meisterdetektiv, und findet heraus, dass Tims Vater im Laufe von Ermittlungen in einen Unfall verwickelt wurde, bevor er spurlos verschwand. Gemeinsam machen sich Tim und Pikachu daran, dem Verschwinden auf den Grund zu gehen und den Fall aufzuklären, der dazu führte. Im Verlauf stolpert ihr über einige rätselhafte Vorkommnisse. Die einzelnen Fälle, in denen das Team ermittelt, sind spannend, abwechslungsreich gestaltet und nicht allzu vorhersehbar. Die sich zunehmend aufbauende Geschichte rund um Harry Goodman weiß zu fesseln, auch wenn das sehr offen gestaltete Ende uns etwas unbefriedigt zurückließ.

Zu Beginn entscheidet ihr euch, ob ihr im einfachen Modus spielen möchtet. Dies lässt sich im Nachhinein nicht revidieren – ein Neustart wäre nötig. Auf einfacher Stufe gibt es die (optionale) Möglichkeit, sich zusätzliche Hinweise von Pikachu geben zu lassen.

Das Gameplay geht leicht von der Hand. Zunächst gilt es in den einzelnen Kriminalfällen, Zeugenaussagen aller Anwesenden zu sammeln und die Umgebung nach Hinweisen und Beweismitteln abzusuchen, indem man sich mithilfe des Circle-Pads bzw. Steuerkreuzes durch den Schauplatz bewegt. Im Anschluss müssen die gesammelten Indizien geschickt kombiniert werden, um Schlussfolgerungen zu ziehen, die dann neue Möglichkeiten freischalten oder zur Identifikation des Täters führen. Dieser Abschnitt spielt sich auf dem Touchscreen ab, auf dem man verschiedene Icons, die die gefundenen Hinweise repräsentieren, an die richtige Stelle bewegen muss. Das Menü ist auf dem Touchscreen untergebracht und sehr übersichtlich strukturiert. Aufgelockert wird dieser Ablauf durch gelegentlich eingestreute Quick-Time-Events. Meisterdetektiv Pikachu unterstützt leider kein 3D. Es gibt die Möglichkeit, mit dem zum Spiel erschienenen Pikachu-Amiibo Pikachu-Szenen freizuschalten. Diese sind allerdings auch im normalen Spielverlauf freispielbar, sodass der Amiibo eher für Sammelzwecke interessant ist und keinen wirklichen Vorteil bietet.

Ein atmosphärisches Spiel ...

Das titelgebende Pikachu macht einen Großteil des Charmes aus. Es ist frech, völlig von sich selbst überzeugt, liebt guten Kaffee und Süßigkeiten und hat eine tiefe männliche Stimme, die in dem Detektivabenteuer überraschend passend wirkt. Aber auch in anderen Bereichen kann das Spiel punkten. Die Grafik ist für einen 3DS-Titel sehr detailliert. Die Charaktermodelle sehen hübsch aus, Bewegungen wirken flüssig und realistisch, und die Gesichtsausdrücke der Charaktere passen zur Situation. Die einzelnen Fälle führen Tim und Pikachu an sehr unterschiedliche und stimmig animierte Schauplätze wie ein Labor, ein Kreuzfahrschiff oder ein Fernsehstudio, die für Abwechslung sorgen.

Leider merkt man dem 3DS die veraltete Technik an. Die Schauplätze sind in der Regel in viele kleinere Abschnitte unterteilt, zwischen denen jeweils ein Ladebildschirm gezeigt wird. Das stört den Spielfluss und nimmt ein wenig die Freude an der detaillierten Umgebung. Die Charaktere sind schön animiert, sympathisch und überzeugend geschrieben. Die Musik ist passend und hält sich angenehm im Hintergrund. Manche Stücke erinnern an Melodien aus Detektivserien oder -filmen (Sherlock lässt grüßen), richtige Ohrwürmer sind aber nicht dabei. Neue Pokémon werden in kleinen Sequenzen mit einer kurzen, oft amüsanten Beschreibung vorgestellt, sodass auch Neulinge in der Pokémon-Welt nicht überfordert werden.

Meisterdetektiv Pikachu Screenshot

... mit kleinen Makeln

Negativ fällt auf, dass es keine deutsche Sprachausgabe gibt, sondern nur eine englische. Das ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich oder schlecht, denn die englischen Sprecher machen einen sehr guten Job und es werden deutsche Untertitel angeboten. Dennoch ist diese Entscheidung im Hinblick auf die junge Zielgruppe fragwürdig. Das gilt insbesondere, weil die Pokémon im Englischen andere Namen haben, was durchaus zu Verwirrung führen kann. Ein weiteres Manko ist der auch abseits des einfachen Modus sehr leichte Schwierigkeitsgrad, der zu keiner Zeit herausfordernd ist und kein großes Nachgrübeln verlangt, da Pikachu dem Spieler immer genaue Anweisungen gibt, was als Nächstes zu tun ist, und in kleinen Schritten durch die Schussfolgerungen führt, die keine große Denkleistung verlangen. Insofern scheitert eine Untersuchung tendenziell nicht daran, dass das Rätsel zu schwierig wäre, sondern dass eine Gesprächsoption oder ein Indiz fehlt, um weiterzukommen, weil der Spieler mit einer Person noch nicht gesprochen oder einen bestimmten Ort nicht untersucht hat. Gerade in den späteren Kapiteln, in denen die Schauplätze größer und unübersichtlicher werden, kann dies in anstrengende Suchen ausarten. An dieser Stelle glänzt die Hinweisoption des einfachen Modus, durch die man von Pikachu mitgeteilt bekommt, welche Aussage fehlt bzw. welches Objekt noch untersucht werden muss.

Fazit von Wiebke Tischler (3DS)

Mir hat das Spiel gut gefallen. Die Geschichte hat mich schnell gepackt, und die Spielzeit von gut zwölf Stunden empfinde ich für ein Detektivabenteuer als akzeptabel. Das Konzept eines Detektivspiels in der Pokémon-Welt ist sehr gelungen und bietet einen ganz neuen Einblick in den Alltag und die Rolle, die Pokémon im täglichen Leben spielen können. Ich bin gespannt auf den angeteaserten zweiten Teil und hoffe, dass er es ebenfalls in unsere Gefilde schafft.

Pro
  • Sehr schöne Grafik
  • Spannende Geschichte
  • Sympathische Charaktere
Contra
  • Sehr, sehr einfach
  • Viele Ladebildschirme
Gesamtwertung
  • Abwechslung Gut
  • Atmosphäre Gut
  • Bedienung Gut
  • Langzeitmotivation Gut
  • Herausforderung Gut
  • Spieldauer Gut
  • Multiplayer nicht verfügbar
  • Preis/Leistung Gut
8.5
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Meisterdetektiv Pikachu Facts

  • GenreSonstige: Puzzle
  • Release23. März 2018
  • EntwicklerNintendo
  • PublisherNintendo
  • USKFreigegeben ohne Altersbeschränkung
  • PEGI3+
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